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Zwei Modelle für Europa

MÜNCHEN – Der französische Ministerpräsident Manuel Valls und sein italienischer Kollege Matteo Renzi haben entschieden, dass sie den 2012 neu vereinbarten Fiskalpakt nicht einhalten werden und wieder mehr Schulden machen wollen. Diese Entscheidung sollte Anlass sein, über die Konstruktion der europäischen Währungsunion nachzudenken.

Damit eine Währungsunion stabil ist und es nicht zu Schuldenexzessen kommt, sind zwei Modelle denkbar, ein Sozialisierungsmodell und ein Haftungsmodell.

Nach dem Sozialisierungsmodell werden die Schulden der Einzelstaaten kollektiv durch die gemeinsame Zentralbank oder fiskalische Rettungssysteme abgeschirmt, so dass für die Anleger Investitionssicherheit besteht und die Zinsspreads zwischen den Ländern verschwinden. Damit dies nicht zu mehr Verschuldung führt, werden politische Schuldenschranken vereinbart.

Nach dem Haftungsmodell ist jeder Staat für seine eigenen Schulden zuständig, und bei Konkurs haben die Gläubiger das Nachsehen. Angesichts der Gefahr für ihr Geld verlangen die Gläubiger frühzeitig hohe Zinsen oder geben keine weiteren Kredite, was eine Disziplinierung der Schuldner impliziert.