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Föderalismus − Gefahr für Europa

STOCKHOLM – Die Welt ist eine andere nach dem Brexit-Referendum im Vereinigten Königreich. Es wird Jahrzehnte dauern bis wir voll und ganz verstehen, welche Folgen die Entscheidung der britischen Wähler hat, die Europäische Union zu verlassen.

Fest steht allerdings, dass es im Interesse der EU ist, die engen Beziehungen zum Vereinigten Königreich aufrechtzuerhalten, auch wenn die britischen Wähler eine eigenmächtige Entscheidung getroffen haben. Es steht zu viel auf dem Spiel, um zuzulassen, dass der Prozess von Machtspielchen dominiert wird, die die gemeinsamen Interessen in den Hintergrund treten lassen oder diesen zuwiderlaufen, wie es in der europäischen Politik so oft der Fall ist.

In wirtschaftlicher Hinsicht wird das Wachstum in der EU zweifellos von einer offenen Handelsbeziehung mit den Briten profitieren. Ein Freihandelsabkommen, das Finanzdienstleistungen einschließt, wird den Schaden durch den Brexit für alle beteiligten Parteien minimieren, da europäische Unternehmen immer noch auf London als einzigen globalen Finanzplatz der Region angewiesen sind. Selbst wenn Bankdienstleistungen in andere Länder der Eurozone abwandern, werden Unternehmen wie Volvo, Siemens und Total London immer noch brauchen, wenn sie mit Unternehmen wie Toyota, GE und Exxon konkurrieren wollen.

In politischer Hinsicht werden die EU und das Vereinigte Königreich von einer Fortsetzung der engen Zusammenarbeit profitieren, weil keine der beiden Seiten von den Problemen verschont ist, die der Region heute zusetzen. Hierzu zählen wachsende Aggression aus Russland mit seinem Präsidenten Wladimir Putin; der Aufstieg des sogenannten Islamischen Staates und die Bedrohung durch „homegrown terrorism“, also islamistischen Terror aus dem und im eigenen Land, und Flüchtlinge, die aus dem Nahen Osten und Nordafrika nach Europa fliehen. Zudem ändert die Brexit-Abstimmung nichts an der strategischen Bedeutung der NATO, in der kontinuierliche Zusammenarbeit erforderlich ist und in der die EU das Vereinigte Königreich ebenso sehr braucht wie das Vereinigte Königreich die EU.