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Europa aus amerikanischer Sicht

Die Europäer werden ständig darauf hingewiesen, was es an Amerika alles auszusetzen gibt. Aber vielleicht sollten die Europäer einmal umgekehrt denken: Was läuft aus amerikanischer Sicht in Europa falsch?

Die Amerikaner sehen Europa vor allem als den Kontinent der selbstverschuldeten Stagnation - und das mit gutem Grund. Das Wirtschaftswachstum in der EU betrug im Jahr 2003 beinahe null.

Etliche Länder, allen voran Deutschland und Frankreich, scheinen durch unflexible Arbeitsmärkte lahm gelegt und von Bestimmungen behindert, die jede Dynamik hemmen. Die vor ein paar Jahren groß angekündigte „Lissabon-Strategie" der Europäischen Union, in der verkündet wurde, Europa bis zum Jahr 2010 zur wettbewerbsfähigsten Region zu machen, scheint den Amerikanern angesichts ihrer eigenen, ständig Höchstwerte erreichenden Produktivität lachhaft.

Außerdem nimmt man Europa als übermäßig und manchmal in gefährlicher Weise auf sich selbst konzentrierten Kontinent wahr. Noch schlimmer ist, dass informierte Amerikaner in Europa einen ungezügelten Antisemitismus konstatieren und fremdenfeindliche politische Parteien agieren sehen, die ein Land nach dem anderen einnehmen. Nicht einmal das friedliebende Skandinavien ist davon ausgenommen.