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Die größte Gefahr von allen

PARIS – „Sag mir, wovor du dich fürchtest und ich sage dir, was dir passiert ist“, schrieb der Psychologe D.W. Winnicott Anfang des 20. Jahrhunderts. Das klingt einfach, bis man bedenkt, wie viel passiert ist – und wie viel es zu fürchten gibt.

Die schiere Vielfalt der Bedrohungen, mit denen die Welt heute konfrontiert ist, lässt einen an die tragischen Farcen Luigi Pirandellos denken. Im Westen legen manche ihr Augenmerk auf den religiösen Extremismus – insbesondere auf die angeblich im Namen des Islam begangenen terroristischen Taten. 

Andere wiederum verweisen auf Russland und warnen vor einem neuen Kalten Krieg, der in Osteuropa und im virtuellen Raum bereits deutlich wird. Wieder andere unterstreichen den Aufstieg eines aggressiven Rechtspopulismus in den Vereinigten Staaten und Teilen Europas und erklären, dass die tatsächlichen Gefahren im Inneren liegen. 

Und selbst denjenigen, die alle diese Bedrohungen anerkennen, fällt es schwer, sie nach Priorität einzustufen – eine unerlässliche Vorgehensweise, um der Gefahr zu begegnen. Wenn man also beispielsweise den islamistischen Terrorismus als die Hauptbedrohung ausmacht, könnte es für den Westen sinnvoll sein, sich bei deren Bekämpfung mit Russland abzustimmen.