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Europas Jahr der Unentschlossenheit

NEW YORK: Die düstere wirtschaftliche Lage, in der sich die meisten reichen Länder 2011 wiederfanden, war nicht bloß das Resultat unpersönlicher wirtschaftlicher Kräfte, sondern wurde stark durch den von den politischen Führungen weltweit verfolgten – oder eben nicht verfolgten – politischen Kurs verursacht. Tatsächlich ist die bemerkenswerte Einmütigkeit, die in der Anfangsphase der Finanzkrise, die 2008 begann, vorherrschte und in einem auf dem Londoner G20-Gipfel geschnürten, eine Billion Dollar schweren Rettungspaket kulminierte, lange dahin. Inzwischen grassieren bürokratische Machtkämpfe und Missverständnisse.

Schlimmer noch: Politische Meinungsverschiedenheiten manifestieren sich mehr oder weniger entlang nationaler Linien. Das Zentrum des fiskalischen Konservatismus ist Deutschland, während sich die angelsächsischen Länder noch immer an John Maynard Keynes halten. Diese Spaltung kompliziert die Lage enorm, denn es bedarf enger internationaler Zusammenarbeit, um die der Krise zugrundeliegenden globalen Ungleichgewichte zu korrigieren.

Die Zweifel über die Staatsverschuldung in Europa drehen sich in einem Maße um den Euro, das inzwischen manche das Überleben der Einheitswährung in Frage stellen lässt. Doch der Euro war von Anfang an eine unvollständige Währung. Der Vertrag von Maastricht begründete eine Währungsunion ohne politische Union – mit einer gemeinsamen Zentralbank, aber ohne gemeinsames Finanzministerium. Seine Architekten waren sich dieses Mangels bewusst, aber andere Fehler in ihrem Design wurden erst nach dem Crash von 2008 offensichtlich.

Die Konstruktion des Euros beruhte auf der Annahme, dass Märkte ihre Exzesse selbst korrigieren und Ungleichgewichte nur im öffentlichen Sektor entstehen. Wie sich freilich gezeigt hat, entstanden einige der größten Ungleichgewichte, die die aktuelle Krise anheizten, im privaten Sektor – und die Einführung des Euro war hierfür indirekt verantwortlich.