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Europe’s Two Futures

Europa vermittelt gegenwärtig ein recht widersprüchliches Bild. Es ein Kontinent, auf dem zu leben sich die meisten Nicht-Europäer wohl immer noch wünschen würden: Frieden, Demokratie, Herrschaft des Rechts, Sicherheit, ein großes Maß an innerer Freiheit und Liberalität, wie kaum sonst wo auf der Welt; Wohlstand, ein hoher Lebensstandard, eine sehr gute soziale Absicherung für alle, zudem preiswerte und gute Bildungssysteme; eine starke, wettbewerbsfähige Wirtschaft, geringe Inflation und eine starke Währung; und hohe Umweltstandards, eine hervorragende Infrastruktur, gepaart mit einer beispiellosen kulturelle Vielfalt und großartigen Landschaften.

Kurz, hätte man den vor hundert Jahren lebenden Europäern das heutige Europa geschildert, sie hätten dies für eine etwas überdrehte Utopie gehalten.

Die Europäische Union umfasst heute 500 Mio. Bürgerinnen und Bürger, und ist der wichtigste und größte Binnenmarkt der Weltwirtschaft. Europa wäre in nahezu allen Wirtschaftsstatistiken die unangefochtene Nummer 1, wenn, ja wenn die EU dieses Europa nach außen tatsächlichverkörpern würde.

Europa ist in Industrie und Handel nach wie vor ein Riese, politisch zugleich aber ein zunehmend schrumpfender Zwerg. Und das hat schlicht und einfach damit zu tun, dass die Größenordnungen des 21. Jahrhunderts mit China, Indien, den USA und Japan selbst die großen europäischen Mächte eines nicht allzu fernen Tages zu kleinen Staaten werden lässt. Selbst die drei größten Mitgliedstaaten der EU können bereits heute den politischen Bedeutungsverlust Europas kaum mehr ausgleichen, geschweige denn aufhalten. Und diese Entwicklung wird sich ohne eine starke EU innerhalb kurzer Zeit erheblich verschärfen.