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Jetzt muss Europa dazulernen

PRINCETON – Krisen sind eine Chance zu lernen. In den letzten 200 Jahren sind große Finanzkrisen, mit Ausnahme der Großen Depression, in armen und instabilen Ländern entstanden, in denen daraufhin beträchtliche politische Korrekturen notwendig waren. Die aktuelle Krise begann in reichen Industrieländern – nicht nur mit Subprime-Hypotheken in den Vereinigten Staaten, sondern auch mit dem Missmanagement von Banken und Staatsschulden in Europa. Was wird Europa also daraus lernen, und welche Bedeutung werden diese Lektionen für den Rest der Welt haben?

Europas gegenwärtige Probleme weisen auffällige Parallelen zu früheren Problemen in der Peripherie der Weltwirtschaft auf. In den aufeinanderfolgenden schmerzlichen Krisenwellen – in Lateinamerika in den 1980er Jahren und in Ostasien nach 1997 – lernten die Länder eine bessere Herangehensweise an die Wirtschaftspolitik und entwickelten einen nachhaltigeren Rahmen zur Verwaltung öffentlicher Schulden. Jetzt ist Europa an der Reihe.

Die europäische Krise schließt den Kreis. Handelte es sich zu Anfang um eine Finanzkrise, so verwandelte sie sich, nachdem die Regierungen eingegriffen hatten, um für die Verpflichtungen der Banken zu bürgen, in eine klassische Staatsschuldenkrise. Das hat wiederum zu neuen Sorgen für Banken geführt, die zu viele angeblich sichere Staatsschulden halten. Staatsschulden sehen nicht mehr stabil aus.

Einer der wichtigsten Präzedenzfälle ist das lateinamerikanische Schuldendebakel vor fast 30 Jahren. Im August 1982 schockierte Mexiko die Welt, indem es erklärte, seine Schulden nicht bedienen zu können. Einen Großteil des Sommers lieh sich Mexiko bei einem geschätzten Haushaltsdefizit von ca. 11 % des BIP weiterhin Geld auf den internationalen Finanzmärkten, wenn auch mit steigender Risikoprämie. Die Banken hatten sich selbst mit der Überzeugung beruhigt, Länder könnten nicht insolvent werden. Doch dann schien sich eine große Anzahl völlig unterschiedlicher Länder wie eine Reihe von Dominosteinen aufzustellen.