1

Europas drei Ungewissheiten im Osten

WASHINGTON Das europäische Projekt wankt gerade, aber ich habe keinen Zweifel daran, dass die derzeitige Schuldenkrise in der Eurozone überwunden, und dass Europa gefestigt und effektiver aus der Krise hervorgehen wird. Aber um dieses Ziel zu erreichen, reicht es nicht, die Schuldenkrise zu überwinden, sondern es müssen die Beziehungen mit den drei wichtigsten Ländern im Osten Europas – der Türkei, Russland und der Ukraine – auf eine solidere Basis gestellt werden.

Meine Generation hat in Spanien vor vier Jahrzehnten die Übergangzeit zwischen Diktatur und Demokratie miterlebt. Für uns war die Europäische Union ein Traum. Wir zitierten damals Ortega y Gasset: „Wenn Spanien das Problem ist, ist Europa die Lösung“.

Ich glaube noch immer fest daran, dass Europa die Lösung ist, insbesondere für Gesellschaften, in denen eine demokratische Tradition noch vertieft werden muss. Engere Beziehungen zwischen Europa einerseits und der Türkei, Russland und der Ukraine andererseits können für diese Länder ähnliche Vorteile bringen, wie wir sie in Spanien immer mit Europa verbunden haben.

Die Türkei ist natürlich bereits Kandidat für eine Aufnahme in die EU, aber die Beitrittsverhandlungen schreiten sehr langsam voran, und das ist strategisch unklug, weil die große Autorität der Türkei im Nahen Osten sehr wichtig für Europa ist (und wahrscheinlich größer als seine eigene). Von Syrien bis hin zu den Ländern des arabischen Frühlings besitzt die Türkei einen großen Einfluss. Eine weitere Kooperation mit der EU kann nur positive Auswirkungen haben.