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Europas Problem mit Russland

NEW YORK: Wie sollte Europa auf den Aufstieg eines ihm feindlich gesonnenen Russlands an seiner Ostflanke reagieren? Unterschiedliche Länder haben diese Frage, beeinflusst von ihren historischen Erfahrungen und wirtschaftlichen Interessen, bisher unterschiedlich beantwortet. Doch es ist entscheidend für die Europäische Union, dass sie eine einheitliche Politik entwickelt, die diese divergierenden nationalen Interessen und Einstellungen miteinander aussöhnt.

Europa kann es sich nicht leisten, Russlands geopolitischer Aggression keinen Widerstand entgegenzubringen, und es muss dies in geeinter Weise tun, um dabei eine Erfolgschance zu haben. Doch diese einheitliche europäische Politik darf nicht rein geopolitischer Art sein, denn wäre sie es, wäre das gemeinsame Interesse nicht stark genug, um sich gegen die nationalen Interessen durchzusetzen. Russland könnte teilen und herrschen, wie es das bereits jetzt tut.

In rein geopolitischer Hinsicht hat Russland die besseren Karten. Europas Überlegenheit liegt in seinen Werten und Prinzipien als offene, demokratische, friedliche, wohlhabende und gesetzestreue Gesellschaft. Diese Werte sind für die Menschen in der ehemaligen Sowjetunion sehr attraktiv – und dies gilt für die Führer ebenso wie die Massen, trotz der Tatsache, dass der Westen in der Vergangenheit seine Werte und Prinzipien nicht durch Taten unterfüttert hat. Daher sind die Bewunderung und Sehnsucht, die diesen europäischen Werten gelten, mit Enttäuschung und Ablehnung durchsetzt, und das Putin-Regime hat es geschafft, begeisterte Unterstützung zu sammeln, indem es den Westen vorführte und im geopolitischen Spiel Punkte sammelte.

Trotzdem bleibt Russland empfänglich für die Verlockungen Europas. Historisch gesehen wollte Russland immer zu Europa gehören, und dem Putin-Regime ist bewusst, dass es einen hohen Preis zahlen würde, wenn es eine Rückkehr zur sowjetischen Isolation anstrebte.