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Europas nächster Albtraum

CAMBRIDGE, MASS.: Als wären die wirtschaftlichen Auswirkungen eines ausgewachsenen griechischen Zahlungsausfalls nicht erschreckend genug, könnten die politischen Folgen noch viel schlimmer sein. Ein ungeordnetes Auseinanderbrechen der Eurozone würde dem europäischen Integrationsprojekt, der zentralen Säule der politischen Stabilität Europas seit dem Zweiten Weltkrieg, irreparablen Schaden zufügen. Es würde nicht nur die hochverschuldete europäische Peripherie destabilisieren, sondern auch Kernländer wie Frankreich und Deutschland, die bisher die Architekten des Projekts waren.

Dieses Schreckensszenario wäre zugleich ein Sieg des politischen Extremismus im Stile der 1930er Jahre. Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus waren die Kinder einer Gegenreaktion auf die Globalisierung, die sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts aufgebaut hatte; die zehrten von den Ängsten jener Bevölkerungsgruppen, die sich durch expandierende Marktkräfte und kosmopolitische Eliten entrechtet und bedroht fühlten.

Freihandel und Goldstandard hatten erfordert, dass innenpolitische Prioritäten wie Sozialreformen, Nationbuilding und Geltendmachung der eigenen kulturellen Identität in den Hintergrund rückten. Die Wirtschaftskrise und das Versagen der internationalen Zusammenarbeit untergruben nicht nur die Globalisierung, sondern auch jene Eliten, die die bestehende Ordnung aufrechterhielten.

Wie mein Kollege in Harvard, Jeff Frieden, schrieb, bereitete dies den Weg für zwei klar zu unterscheidende Formen des Extremismus. Vor der Wahl zwischen Gerechtigkeit und wirtschaftlicher Integration stehend, entschieden sich die Kommunisten für radikale Sozialreformen und wirtschaftliche Autarkie. Vor der Wahl zwischen der Geltendmachung der nationalen Identität und dem Globalismus stehend, entschieden sich Faschisten, Nationalsozialisten und Nationalisten für das Nationbuilding.