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Europas „Wachstumspessimisten“ irren sich

In Europa sitzt die pessimistische Einstellung zur Wirtschaft so tief, dass die Leute denken, je besser es der Wirtschaft heute geht, desto schlechter wird es ihr morgen gehen. Dieses Jahr war für Europas Wirtschaftswachstum hervorragend. Doch anstatt zu denken, dass der 2006 gewonnene Schwung sich fortsetzt und 2007 dadurch ein noch besseres Jahr wird, sagen Europas schwermütige Experten eine deutliche Verlangsamung voraus. Für sie scheint es unmöglich, dass Europa zwei gute Jahre hintereinander haben könnte.

Selbstverständlich hat jedes Jahr neue Wachstumsaufgaben, und da wird 2007 keine Ausnahme darstellen. Was die Wachstumspessimisten insbesondere zu ihrer Prognose veranlasst – oder beängstigt – sind 1. höhere europäische Zinssätze, 2. die Verlangsamung der US-Wirtschaft und 3. die Erhöhung der deutschen Mehrwertsteuer von 16 % auf 19 %, die für den Anfang des Jahres vorgesehen ist.

Doch haben sie Unrecht, wenn sie sich von diesen Faktoren beängstigen lassen.

Die Angst vor einer Beeinträchtigung des Wachstums durch die Zinssatzerhöhungen der Europäischen Zentralbank 2006 beruht auf einer Verwechselung der Real- und Nominalzinssätze. Am Ende des Jahres werden die europäischen Zinssätze um 150 Basispunkte erhöht worden sein (von 2 % im Januar auf 3,5 %). Doch steigt die Inflation in Europa derzeit ungefähr mit der gleichen Geschwindigkeit. Das bedeutet, das die Realzinssätze – die Zinssätze, die anhand von Waren und Dienstleistungen gemessen werden – gleich geblieben sind. Und der Realzinssatz – nicht der Geldzinssatz – zählt für das Wirtschaftswachstum.