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Europas Groucho-Marx-Problem

Groucho Marx ist bekannt für seine Witzelei, dass er keinem Club beitreten würde, der ihn als Mitglied hätte. Doch bei der Europäischen Union bräuchte der bekannte Komiker heutzutage gar nicht erst einen Antrag stellen. Dieser elitäre Club möchte nun überhaupt keinen Antragsteller mehr akzeptieren, denn die Länder, die Schlange stehen, um der Union beizutreten, sind entweder zu groß, zu arm - oder beides.

Am 1. Mai nimmt die EU offiziell zehn neue Mitgliedsstaaten auf, davon acht aus Mitteleuropa. Jedes dieser neuen Beitrittsländer ist im Schnitt weit ärmer als die bisherigen Mitglieder der EU. Auch Bulgarien, Rumänien und möglicherweise Kroatien sollen der Gemeinschaft bis zum Jahre 2007 beitreten. Bis zum Ende dieses Jahres soll in der EU der Beschluss fallen, ob es zu einer formellen Eröffnung der Beitrittsgespräche mit der Türkei kommt - einem Land, das nicht nur arm und groß ist, sondern auch muslimischen Glaubens. Sollte die EU tatsächlich ernsthafte Beitrittsgespräche mit der Türkei erwägen, gäbe es keinen legitimen Grund, mein Land, die Ukraine, bei solchen Gesprächen außen vor zu lassen.

Gegenwärtig herrscht in der EU jedoch die Einstellung vor, dass die Ukraine auf die gleiche Stufe gestellt werden sollte wie Länder in Nordafrika und dem Nahen Osten. Die EU-Strategie eines "erweiterten Europas" verlangt eigentlich auch engere Kontakte zur Ukraine und eine Möglichkeit für das Land, besseren Zugang zum "Binnenmarkt" der EU zu erhalten. Doch zumindest in absehbarer Zukunft sieht die EU die Ukraine nicht als einen Kandidaten für die Mitgliedschaft an.

Einer der Gründe dafür ist, dass die EU sich nicht mit Russland anlegen will. Russland sieht uns, die Ukraine, immer noch als seinen engen Verbündeten, natürlichen Handelspartner und ein Mitglied einer expandierenden Wirtschaftszone unter der Federführung Russlands selbst. Tatsächlich ratifizierte das Parlament der Ukraine letzte Woche ein Abkommen, das einen "Binnenwirtschaftsmarkt" mit Russland schaffen soll. Doch diese angebliche Freihandelszone erscheint eher wie ein Rezept zur Steigerung des Vermögens der Oligarchen und zur Beseitigung jeglichen Wettbewerbs, als dass es Wirtschaft und Handel effektiv ankurbeln würde.