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Schwere See für die Europäische Zentralbank

NEWPORT BEACH – Zentralbank-Puristen sind verwirrt. Wie kann die Europäische Zentralbank, eine germanische Institution, als Käufer von Staatsanleihen aktiv sein, die von fünf ihrer 17 Mitglieder herausgegeben werden? Wieso verhält sich diese Währungsbehörde wie ein Fiscal Agent? Sollte die EZB nicht eigentlich eine politisch und operativ unabhängige Institution sein, die der Inflationsbekämpfung und Währungssicherung verpflichtet ist?

Ja und nein. Und diese Antwort verrät etwas über die beunruhigenden Realitäten des modernen Notenbankgeschäfts (oder, genauer gesagt, dem Notenbankgeschäft in der Welt der Schuldenüberhänge und Staatschulden nach der Wirtschaftsblase). Außerdem gibt sie Aufschluss über das Endspiel, das sich in einer konfusen und verunsicherten Eurozone abzuzeichnen beginnt.

Mit einer Analogie zur Seefahrt lässt sich die Komplexität etwas vereinfachen. Stellen Sie sich vor, ein äußerst wendiges Schiff der Küstenwache wird angefordert, um ein in Schwierigkeiten geratenes Boot zu retten. Während die Rettung im Gange ist, erfährt das Schiff, dass es noch zwei weitere, größere Boote retten muss. Das tut es, aber erst nachdem dem Kapitän zugesichert wurde, dass ein größeres Schiff zur Unterstützung kommen wird.

Während die Besatzung des Rettungsschiffes, das seine Last inzwischen aufgenommen hat, auf Hilfe wartet, ist sie gezwungen mit unruhigen Passagieren fertig zu werden. Die See wird stürmischer und das vormals wendige Rettungsschiff ist jetzt so überlastet, dass einige Offiziere beginnen, den Kapitän im Nachhinein zu kritisieren, der erneut die Unterstützung des größeren Schiffes anfordert. Unglückseligerweise scheint dieses Schiff einer Verwirrung über seine Mission zu unterliegen und es fehlt ihm eindeutig am Bewusstsein für die gebotene Dringlichkeit.