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Europas 4%-Lösung

WASHINGTON, D. C. – Dies ist ein bedeutsamer Sommer für Europa, weil sowohl die Eurozone als auch die Europäische Union vom Auseinanderbrechen bedroht sein könnten, trotz der wichtigen Schritte, die auf dem Gipfel der Regierungschefs der Eurozone im Juni getroffen wurden und zu einer Bankenunion und der direkten Rekapitalisierung der spanischen Banken beitragen sollen. Die Umsetzung der vorgeschlagenen Reformen verläuft schleppend, und möglicherweise wird in Deutschland rechtlich gegen den Europäischen Stabilitätsmechanismus vorgegangen; zudem scheinen die Niederlande und Finnland sich aus einigen Teilen der Vereinbarung zurückzuziehen.

Selbst im schlimmsten Falle wird die innereuropäische Zusammenarbeit gewiss bis zu einem gewissen Grad weitergehen. Doch ist schwer erkennbar, wie die EU, wie wir sie kennen, auch nur eine Teilauflösung der Eurozone überstehen könnte.

Diejenigen, die argumentieren, eines oder mehrere Länder der Euro-Peripherie sollten einen „Urlaub“ vom Euro nehmen, unterschätzen sowohl die wirtschaftlichen als auch die politischen Auswirkungen eines solchen Schritts. Das Gefühl des Versagens, der Vertrauensverlust und der Schaden, der vielen zugefügt würde, wenn zwei oder drei Länder den Euro verlassen müssten, würden die gesamte Union erschüttern.

Eine der Hauptherausforderungen ist die negative Rückkopplungsschleife zwischen den Schwächen vieler Banken und den Zweifeln hinsichtlich der Staatsschulden der Peripherieländer. Die Staatsschulden- und Bankenkrisen wurden sogar noch enger miteinander verflochten, als die Banken größere Mengen an Staatsschulden ihrer Heimatländer kauften.