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Ein „Merkelplan“ für Europa

LONDON – Schon seit Ausbruch der europäischen Wirtschaftskrise vor mehr als vier Jahren rufen Politiker und Experten nach einer „großen Lösung“ und verweisen dabei häufig auf das Beispiel des amerikanischen Marshallplans nach dem Zweiten Weltkrieg, der ab 1948 dazu beitrug, Westeuropas kaputte, schuldengeplagte Volkswirtschaften wieder aufzubauen. Aber es war politisch nie der richtige Zeitpunkt dafür. Dies könnte sich jetzt möglicherweise ändern.

Die Lage in Europa hat gewisse Ähnlichkeiten mit den 1940er Jahren. Die unter aus vergangenen Fehlern herrührenden öffentlichen Schulden leidenden Regierungen der Eurozone wissen, was sie tun müssen, aber sie wissen nicht, wie. Sie misstrauen einander zu sehr, um zusammenzuarbeiten. Zugleich ist die Nachfrage im Großteil der Europäischen Union schwach. Dies schließt jenes Wirtschaftswachstum aus, das erforderlich ist, um die Schulden zurückzuzahlen und den 25 Millionen Arbeitslosen Hoffnung zu geben.

Das Haupthindernis für eine große Lösung ist provinzlerisches Misstrauen. In keinem Land wollen die Steuerzahler das Gefühl haben, dass sie für die Exzesse der anderen bezahlen: Die gemeinsame Währung erlegt ihnen keine gemeinsame Verantwortung auf. Daher waren die Gläubigerländer – angeführt von Deutschland – bisher bemüht, nur jeweils das Minimum zu tun, das nötig ist, um den Euro am Leben zu halten, während die Schuldner ohnmächtig über Deutschlands Beharren auf der Sparpolitik schimpfen.

Beide Seiten sind sich uneinig über das Wesen der europäischen Krankheit. Und wo keine Einigkeit über die Diagnose besteht, ist es schwierig, sich auf eine Behandlung zu einigen. Doch nun könnte es – bedingt durch Entwicklungen in der griechischen, spanischen und britischen Politik sowie einfach aufgrund der Zeit, die inzwischen verstrichen ist – zu einer Annäherung kommen.