Military Museum of Chinese People's Revolution China photos/Getty Images

Der Wächter der freiheitlichen Weltordnung

MADRID – Die globale Finanzkrise, die diesen Monat vor zehn Jahren begann, hat gezeigt, dass das langfristige Überleben der vom Westen angeführten, regelbasierten internationalen Ordnung keine Selbstverständlichkeit ist. Es wird häufig angenommen, dass, falls und wenn die USA ihren Platz als globaler Hegemon in diesem System verlieren, China das Land sein wird, das die Welt anführt. Aber wie würde eine von China angeführte Ordnung aussehen?

Ereignisse in diesem Sommer geben uns den Vorgeschmack einer Antwort. Im Juni begann ein Tochterunternehmen der spanischen Ölgesellschaft Repsol mit Bohrungen vor der Küste klar innerhalb der ausschließlichen Wirtschaftszone Vietnams im Südchinesischen Meer. China protestierte umgehend, indem es zuerst ein gemeinsames chinesisch-vietnamesisches Sicherheitstreffen platzen ließ und anschließend laut Berichten mit Militärmaßnahmen gegen vietnamesische Stellungen auf den Spratly-Inseln drohte. Da es sich nicht auf die Unterstützung der USA verlassen konnte, knickte Vietnam vor den Chinesen ein und wies Repsol an, seine Probebohrungen einzustellen. Es war ein Sieg nackter Gewalt, und eine Niederlage gemeinsamer Regeln.

Dann wurde im Juli, unmittelbar vor dem G20-Treffen in Hamburg, bekannt, dass bei dem chinesischen Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo – der von der chinesischen Regierung wegen seines Eintretens für die Demokratie für den größten Teil des vergangenen Jahrzehnts inhaftiert worden war – Leberkrebs im Endstadium festgestellt worden war. Liu beantragte die Erlaubnis, sich im Ausland behandeln zu lassen, doch die chinesische Regierung versagte ihm diese Würde. Er starb kurz darauf.

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