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Das illiberale Establishment Europas

ATHEN – Am 25. März trafen sich die Politiker Europas am Geburtsort des „europäischen Projekts“, um den 60. Geburtstag der Römischen Verträge zu zelebrieren. Aber was genau gab es eigentlich zu feiern?

Priesen sie die Disintegration Europas, die sie nun „Hochgeschwindigkeitseuropa“ oder „Europa der wechselnden Geometrien“ nennen? Oder waren sie dort, um sich selbst zu ihren üblichen Versuchen der Krisenbewältigung zu gratulieren – Versuche, die in der gesamten Europäischen Union einen fremdenfeindlichen Nationalismus zur Folge hatten?

Sogar hartgesottene Europafreunde gaben zu, dass die Versammlung in Rom eher eine Totenwache war als eine Party. Und ein paar Tage später schickte die britische Premierministerin Theresa May dann den Brief ab, der den langsamen, aber unwiderruflichen Austritt Großbritanniens aus der EU einleitete.

Das liberale Establishment in London und auf dem Kontinent ist entsetzt über die Spaltung Europas durch den Populismus. Wie die Bourbonen haben sie nichts gelernt und nichts vergessen. Nicht ein einziges Mal haben sie sich selbst in Frage gestellt, und jetzt heucheln sie Bestürzung über den Legitimitätsverlust und die Elitenfeindlichkeit, die den Status Quo und damit auch ihre Autorität bedrohen.