sinn97_Boyana Boycheva  EyeEm_euro money Boyana Boycheva/EyeEm/Getty Images

Das europäische Sonderrisiko bei der Inflation: Die Zerstörung der Inflationsbremse

MÜNCHEN – Eine Reihe von Autoren hat in der letzten Zeit auf das gestiegene Inflationsrisiko in den USA und Europa hingewiesen. So wird zu Recht erwartet, dass sich nach der Überwindung der Covid-Pandemie durch die Impfungen die aufgestaute Kauflust entlädt und dass die riesigen staatlichen Rettungsprogramme, die den historischen Rahmen sprengen, inflationäre fiskalische Multiplikatorwirkungen entfalten werden.

Unbeachtet geblieben ist dabei freilich, dass im Euroraum eine besondere Gefahr insofern hinzutritt, als dort die Zentralbankgeldmenge, die sogenannte Geldbasis, in den letzten Jahren relativ zur jährlichen Wirtschaftsleistung auf ein sehr viel größeres Niveau als in den USA gestiegen ist. Zuletzt, im Januar 2021, lag diese Relation, in der Ökonomie Kassenhaltungskoeffizient genannt, im Euroraum bei 43%, während sie in den USA nur 24% betrug. Demgegenüber hatten die Koeffizienten der beiden Länder im Jahr der Lehman-Krise, 2008, fast identisch bei 12% bzw. 11% gelegen. In der Eurozone ist die Geldbasis inzwischen auf etwa das Dreieinhalbfache und in den USA auf das Doppelte dessen gestiegen, was sich damals als ausreichende Menge an Zentralbankliquidität erwiesen  hatte.

Entsprechend ist die Zentralbankgeldmenge in Höhe von 5 Billionen Euro, die die EZB bis zum Januar dieses Jahres emittiert hatte, zu bald drei Vierteln (72%) oder 3,6 Billionen Euro ein bloßer Geldüberhang, der für die Transaktionen nicht wirklich benötigt wird.

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