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Europa allein in Trumps Welt

LONDON – Wieder allein. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs blickt Europa durch eine transatlantische Linse auf die Welt. In der Allianz mit den Vereinigten Staaten gab es Höhen und Tiefen, aber es war eine familiäre Beziehung auf der Grundlage, dass wir in Krisen füreinander da sind und grundsätzlich die gleichen Werte teilen.

Die Wahl Donald Trumps als US-Präsident droht, dies zu beenden – zumindest im Moment. Er glaubt mehr an Mauern und Meere als an Solidarität mit Verbündeten und hat klar gemacht, dass er Amerika nicht nur an erste Stelle setzen will, sondern auch an zweite und dritte. „Wir werden dieses Land und sein Volk“, so erklärte er in seiner einzigen großen Rede über Außenpolitik, „nicht mehr dem falschen Lied der Globalisierung unterwerfen“.

Die Europäer werden sich nicht nur an Trump gewöhnen müssen, sondern auch daran, die Welt mit anderen Augen zu betrachten. Dafür, dass Trumps Amerika die mit Abstand größte Quelle weltweiter Unordnung sein wird, gibt es vier Gründe:

Erstens kann man sich nicht mehr auf die amerikanischen Garantien verlassen. Trump stellt den Schutz der osteuropäischen NATO-Mitglieder in Frage, wenn sie nicht mehr zu ihrer eigenen Verteidigung tun. Er sagte, Saudi-Arabien solle für den Schutz durch die USA bezahlen. Er ermutigte Japan und Südkorea, sich Atomwaffen zu besorgen. Und in Bezug auf Europa, den Nahen Osten und Asien stellte er klar, dass Amerika nicht mehr die Rolle des Polizisten spielen wird, sondern eher diejenige eines privaten Sicherheitsdienstes, den man mieten kann.