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Europa und China übernehmen das Klimazepter

PARIS – Bei der diesjährigen Generalversammlung der Vereinten Nationen haben die Vertreter des weltweit größten gemeinsamen Marktes und der zweitgrößten globalen Volkswirtschaft innerhalb von nur einer Woche ihre klimapolitischen Karten auf den Tisch gelegt. Man muss kein Geheimdienstanalyst sein, um die Ergebnisse zu kennen: Sowohl die Europäische Union als auch China haben sich verpflichtet, ihre Nettokohlendioxidemissionen auf Null zu bringen, womit sie die Grundlage für eine viel stärkere Zusammenarbeit schaffen.

Sicherlich müssen diese Verpflichtungen durch konkrete Maßnahmen unterstützt werden. Aber auch Worte sind mächtig. Und weder der chinesische Präsident Xi Jinping noch Ursula von der Leyen, die Präsidentin der Europäischen Kommission, sind für Übertreibungen oder große, unüberlegte Ankündigungen bekannt. Wenn sie sich ein konkretes Ziel setzen, bedeutet dies, dass sie auch eine Idee haben, wie sie es erreichen können.

Darüber hinaus ist es für die 27 EU-Mitgliedstaaten nicht gerade einfach, sich – entsprechend ihrer Verpflichtung, bis 2050 Nettonullemissionen zu erreichen – auf ein ehrgeizigeres Ziel für 2030 zu einigen. Dass es viele Interessengruppen gibt, die bereit sind, sich dem neuen Ziel entgegen zu stellen, ist den europäischen Politikern sehr bewusst. Auch für die chinesische Führung ist es nicht leicht, anzukündigen, bis 2030 ihr Emissionsmaximum und bis 2060 Kohlenstoffneutralität zu erreichen. Die Umgestaltung einer Volkswirtschaft von der Größe Chinas ist keine einfache Aufgabe. Aber beide Machtblöcke erkennen, dass der Klimawandel wirtschaftliche Veränderungen unvermeidbar macht, und dass die, die sich dabei zuerst bewegen, über Jahrzehnte hinweg einen enormen Wettbewerbsvorteil haben können.

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