38

Europas Brexit-Kater

NEW YORK – Die Reaktion der Märkte auf den Brexit-Schock war relativ mild, wenn man sie mit den beiden anderen jüngsten Episoden weltweiter finanzieller Volatilität vergleicht: dem Sommer von 2015 (nach den Ängsten vor einer harten chinesischen Landung) und den ersten beiden Monaten in diesem Jahr (aufgrund erneuter Sorgen über China und weiterer globaler Folgerisiken). Der Schock war dabei nicht global, sondern regional, und die Auswirkungen auf die Märkte beschränkten sich auf Großbritannien und Europa. Die Volatilität hielt nur etwa eine Woche an, im Gegensatz zu den beiden vorhergehenden Episoden der Risikoflucht, die zwei Monate andauerten und in den USA sowie weltweit zu einer scharfen Korrektur der Aktienkurse führten.

Warum war dieser Schock so sanft und kurzfristig?

Zunächst einmal erwirtschaftet Großbritannien nur 3% des globalen BIP. China (die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt) hingegen vereint 15% der weltweiten Produktion und über die Hälfte des weltweiten Wachstums auf sich.

Darüber hinaus konnten Befürchtungen, die EU oder die Eurozone könnten bereits kurz nach dem Brexit auseinander brechen, durch die Einheitsbekundungen der Europäischen Union und die Ergebnisse der spanischen Wahlen besänftigt werden. Und der schnelle Regierungswechsel in Großbritannien lässt hoffen, dass die Scheidungsverhandlungen mit der EU, wie schwierig sie auch werden, zu einer Einigung führen, bei der die meisten Handelsverbindungen aufrecht erhalten werden, der Zugriff auf den gemeinsamen Markt weitgehend bestehen bleibt und nur die Einwanderung leicht begrenzt wird.