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Die Geburt einer Fiskalunion

PRINCETON – Die Bildung einer Fiskalunion ist in vielen Fällen eine wirksame Methode zur Verbesserung der Kreditwürdigkeit. Überdies kann sie auch ein neues Gefühl der Solidarität zwischen Völkern schaffen, die ein großes geographisches Gebiet bewohnen. Aus diesem Grund haben die Europäer ihren Blick häufig auf das Modell der Vereinigten Staaten geworfen. Doch es gelang ihnen nie, dieses Modell  nachzuahmen, weil ihre Beweggründe zur Bildung einer Union so unterschiedlich waren.

Länder, die sich in einer verzweifelten Situation befinden,  betrachten eine derartige Union oftmals als den besten Ausweg aus einer Notlage. Im Jahr 1940 schlug Charles de Gaulle angesichts der Bedrohung durch die Nazis, die Frankreich bereits überrollt hatten, eine französisch-britische Union vor und Winston Churchill akzeptierte auch.

Fünf Jahre nach dem Krieg, im Jahr 1950, schlug Deutschlands erster Nachkriegskanzler, Konrad Adenauer, als Ausweg aus der existenziellen Krise des besiegten Landes ebenfalls eine Union vor – diesmal zwischen Frankreich und Deutschland. Eine politische Union wurde abgelehnt, aber der wirtschaftliche Zusammenschluss hat einen über sechs Jahrzehnte, bis heute dauernden glänzenden Aufstieg genommen.   

Der Grundgedanke einer Fiskalunion besteht darin, dass ärmere, weniger kreditwürdige Länder von einer gemeinsamen Schuldenhaftung mit reicheren Ländern profitieren können. Tatsächlich kam einer der faszinierendsten diesbezüglichen Vorschläge zu Beginn des Ersten Weltkriegs, als das Russische Reich erkannte, dass es aufgrund seiner begrenzten Kreditaufnahmefähigkeit auf internationalen Kapitalmärkten und seiner geringen Devisenreserven nicht in der Lage war, eine schlagkräftige Armee aufzubauen.