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Europa, hilf dir selber

BRÜSSEL: Die europäischen Politiker verweisen gern auf die Stärke der Eurozone: Sie hat im Vergleich zu den Vereinigten Staaten ein deutlich niedrigeres Fiskaldefizit (4% vom BIP, gegenüber nahezu 10% vom BIP in den USA) und weist anders als die USA kein Zahlungsbilanzdefizit auf. Anders ausgedrückt: Die Währungsunion verfügt über ausreichend Ersparnisse, um die Haushaltsdefizite aller Mitgliedssaaten zu finanzieren und ihre Schuldenprobleme zu lösen.

Doch trotz dieser relativen Stärken scheinen die Führer der Europäischen Union unfähig, die Staatsschuldenkrise der Eurozone zu lösen. Obwohl Treffen auf Treffen folgt, ist es ihren Staats- und Regierungschefs und Finanzministern bisher nicht gelungen, die Märkte zu beruhigen. Jetzt rufen Europas Politiker den Internationalen Währungsfonds und asiatische Investoren um Hilfe.

Dieser Ruf nach Hilfe von außen ist angesichts der Gründe, aus denen sich die Eurokrise trotz ausreichender Finanzmittel stetig verschlimmert hat, fehlgeleitet. Das zentrale Problem ist die Verteilung der Ersparnisse innerhalb der Eurozone. Die Länder nördlich der Alpen haben überschüssige Ersparnisse, aber die nordeuropäischen Sparer sind nicht bereit, verschuldete südeuropäische Länder wie Italien, Spanien und Griechenland zu finanzieren.

Dies ist der Grund, warum der Risikoaufschlag für italienische und andere südeuropäische Schuldtitel zwischenzeitlich auf 5% gestiegen ist und warum die Bundesrepublik gleichzeitig kurzfristige Anleihen mit negativer Realverzinsung auflegen kann. Das Problem hinter dem Problem ist die Abneigung der Nordeuropäer, bei ihren südlichen Nachbarn zu investieren.