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Europa rettet sich

LONDON – Nach vier Tagen und Nächten harter Verhandlungen und vielen schmerzhaften Kompromissen haben die europäischen Regierungschefs eine Einigung über einen bahnbrechenden Wiederaufbaufonds im Volumen von 750 Milliarden Euro erzielt. Als Geste der Solidarität gegenüber Italien, Spanien und anderen noch immer unter der COVID-19-Krise wankenden Ländern ist die Vereinbarung für die Europäische Union ein wichtiger Schritt voran. Trotzdem tut sie wenig, um die tiefgreifendsten Probleme der Eurozone zu lösen.

Die COVID-19-Krise hat die Währungsunion auf eine Zerreißprobe gestellt. Während die Schmerzen weithin geteilt wurden, waren einige Länder härter betroffen als andere. Italien, Frankreich und Spanien haben die meisten Todesfälle und die tiefsten Rezessionen erlitten, und das vom Tourismus abhängige Südeuropa scheint auf eine besonders langsame Erholung zuzusteuern.

Schlimmer noch: Während die Staatsverschuldung überall in der Eurozone steil in die Höhe schießt, erreicht sie in vielen südlichen Ländern, insbesondere in Italien, ein gefährlich hohes Niveau. Die Erstreaktion auf die Pandemie hinterließ bei vielen Italienern ein Gefühl der Kränkung, was durch die (nicht ungerechtfertigte) Wahrnehmung bedingt war, dass viele Nordeuropäer ihnen lieber Vorwürfe in Bezug auf ihr schweres Schicksal machten als Hilfe anboten. Selbst der europafreundliche italienische Mainstream – von Präsident Sergio Mattarella abwärts – fühlte sich auf dem Höhepunkt der Krise der EU politisch entfremdet.

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