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Migration jenseits des Krisenmodus

MADRID – In den letzten sieben Jahren befand sich Europa fast pausenlos im Krisenmodus. Von der Ukraine bis Griechenland geriet der Kontinent vom Regen in die Traufe und wieder zurück, mit all den dazugehörigen Gipfeltreffen, Erklärungen und einer Politik am Rande des Abgrunds. Nun hat man es mit einer – in absehbarer Zukunft wahrscheinlich nicht zu lösenden - Migrationskrise zu tun, die das Augenmerk der Europäischen Union auf sich lenkt. Wenn Europa allerdings wirksam reagieren möchte, muss es den Krisenmodus hinter sich lassen und verstehen, worin die Herausforderungen bestehen und was man erreichen möchte.  

Unbestritten ist, dass das Thema Migration die Aufmerksamkeit der EU verdient. Nicht nur die Migrantenströme nach Europa brechen von Monat zu Monat alle Rekorde, auch die Ersteinreiseländer sind andere geworden. Unterdessen sind die ohnehin schon verschwommenen Trennlinien zwischen Asylsuchenden, Flüchtlingen, Vertriebenen und reinen Wirtschaftsmigranten überhaupt nur mehr schwer auseinanderzuhalten.  

Die gefährlichen Reisebedingungen der Migranten stellen eine gravierende humanitäre Krise dar. Seit Anfang dieses Jahres starben etwa 2.500 Menschen bei dem Versuch, das Mittelmeer zu überqueren; von den grauenhaften Szenen wie etwa bei der jüngsten Entdeckung von 71 verwesenden Leichen in einem verlassenen LKW in Österreich ganz zu schweigen.  Tausende Menschen fristen ihr Dasein in provisorischen Lagern mit wenig oder gar keiner Unterstützung.

Erschwerend hinzu kommt ein stetiger Strom migrationsbezogener Gewalt in ganz Europa, von einem Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Deutschland bis hin zu brutalen Polizeiaktionen gegen Migranten in Mazedonien und Ungarn. Der Hafen von Calais entwickelte sich zu einem Nadelöhr der Krise, da Flüchtlinge verzweifelt versuchen, auf Lastwägen und Zügen in Richtung Großbritannien zu kommen.