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Europa und seine Flüchtlinge

BERLIN – Europa war über viele Jahrhunderte hinweg ein Kontinent, geplagt von Kriegen, Hungersnöten und Armut. Millionen von Europäer wurden durch die blanke wirtschaftliche und soziale Not zur Auswanderung getrieben. Sie gingen über den Atlantik, nach Amerika, Süd und Nord und bis ins ferne Australien, nur um ihrer ererbten Not für sich und ihre Kinder zu entkommen.

„Wirtschaftsflüchtlinge“ allesamt, um diesen Begriff aus der aktuellen Einwanderungs- und Flüchtlingsdebatte zu verwenden. Im 20. Jahrhundert kamen als vorherrschende Fluchtursachen noch rassische Verfolgung, politische Unterdrückung und die Verheerungen von zwei Weltkriegen hinzu.

Heute ist die EU eine der reichsten Wirtschaftszonen auf unserem Globus, die große Mehrheit der Europäer lebt seit Jahrzehnten in Frieden in demokratischen Staaten mit garantierten Grundrechten und einer einmaligen sozialen Infrastruktur, die Erinnerung an die fernen Zeiten der eigenen Not scheint fast ausgelöscht zu sein– und so fühlt sich Europa ganz aktuell bedroht.

Nein, weniger durch Wladimir Putin und einem erneut auf seine Nachbarn aggressiv ausgreifenden Russland, sondern durch Flüchtlinge und Zuwanderer, durch die Ärmsten der Armen.