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Äthiopiens neues Klima der Angst

WIEN – Die Europäische Union, die Vereinigten Staaten und andere große Geber werden in diesem Jahr etwa 2,5 Milliarden Dollar nach Äthiopien pumpen, eine Summe, die die Kosten für Medikamente, Hungerhilfe und unzählige andere Leistungen, die von gemeinnützigen Gruppen in einem der ärmsten Länder der Welt erbracht werden, noch nicht einmal ansatzweise mit einschließt.

Diese Hilfe wird gebraucht, denn Äthiopier sind anfällig für Unterernährung, Krankheiten und Naturkatastrophen. Die wachsende Bevölkerung des Landes übersteigt seine Fähigkeit diese selbst zu ernähren bei weitem. Die Lage in Äthiopien ist so hoffnungslos, dass wohltätige Aktionen von Prominenten – angefangen bei Bob Geldofs Live Aid Konzerten zugunsten der Hungerhilfe bis hin zu Angelina Jolies und Brad Pitts Adoption verwaister Babys – das ergänzen, was Geber unmöglich zur Verfügung stellen können.

Trotz all dieser Großzügigkeit wird Äthiopien faktisch ungestraft von einer autoritären Regierung beherrscht. Premierminister Meles Zenawi, der seit 18 Jahren im Amt ist, hat die Opposition zerschlagen. Seine Regierungspartei dominiert die öffentlichen Institutionen. Schlimmer noch ist, dass die Untergebenen des Premierministers in einem riesigen und vorwiegend ländlich geprägten Land den Rundfunk kontrollieren und andere Medien im Würgegriff halten.

In diesem Monat vor vier Jahren hat Zenawis Äthiopische Volksrevolutionäre Demokratische Front (EPRDF) ihren schwersten Wahlverlust erlitten, seit die ehemalige Guerilla 1991 ein skrupelloses, von den Sowjets unterstütztes Regime gestürzt hat. Statt ihre Verluste zu akzeptieren, reagierte die von der EPRDF geführte Regierung mit brutalem Durchgreifen, beanspruchte den klaren Sieg für sich und warf der Opposition vor, einen Aufstand anzuzetteln.