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Globalisierte Wirtschaft erfordert globales Ethos

TÜBINGEN – Es wird immer wieder behauptet, die Weltfinanzkrise sei nicht vorhersehbar gewe­sen. Doch schon 1997 hatte ich vor einer Neuauflage der Weltwirtschaftskrise und des Zusammenbruchs der Wirtschaftsordnung von 1929-1933 gewarnt und in »Weltethos für Weltpolitik und Weltwirtschaft« (Piper, München 1997) geschrieben:

»Schon die kleinste Bemerkung etwa des Präsidenten der amerikanischen No­ten­bank, Allan Greenspan, Anfang Dezember 1996, ein ›irrationaler Über­schwang‹ (›irratio­nal exuberance‹) hätte zu einer Überbewertung der Finanz­märkte geführt, reichte aus, um die nervösen Investoren auf den hochfliegenden Aktienmärkten Asiens, Europas und Amerikas in einen Kurssturz und zu Panikverkäufen zu treiben. Dies zeigt auch, daß Krisen bei Globalisierung sich nicht von vornherein auspendeln, sondern sich vielleicht aufschaukeln« (S. 292).

Ich wagte schon damals die für Ökonomen ketzerische Vermutung, die Chaos-Theo­rie lasse sich auch auf die Ökonomie anwenden: aus kleinsten Ursachen könnten verheerende Wirkungen ausgehen. Man könne jedenfalls »die Wiederkehr der Weltwirtschaftskrise und den Zusammenbruch der Weltwirtschaftsordnung von 1929-1933« keinesfalls ausschließen.

Daher war ich von der Rasanz und Dimension der Ereignisse in den vergangenen Monaten nur bedingt überrascht. Einige wenige Ökonomen wie der Nobel­preisträger 2008 Paul Krugman, dessen Kolumnen ich regelmäßig lese, haben ja auch immer wieder vor fatalen Entwick­lungen gewarnt.