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Erdoğans Annäherung an Russland

BRÜSSEL – Hütet euch vor Zaren, auch wenn sie Geschenke bringen. Das ist ein kluger Rat an den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, der derzeit versucht, seine Annäherung an den russischen Präsidenten Wladimir Putin als Hebel in seinen Beziehungen zum Westen zu nutzen.

Bei Erdoğans Treffen mit Putin in St. Petersburg in diesem Monat ging es vorgeblich vor allem darum, das Kriegsbeil zu begraben, nachdem die Türkei im vergangenen Jahr nahe ihrer Grenze zu Syrien ein russisches Kriegsflugzeug abgeschossen hatte. Doch der Kreml scheint den Besuch als Chance zu begreifen, Erdoğan zu überzeugen, sich nach Osten zu orientieren und gemeinsam mit Russland, China und den zentralasiatischen Ländern einer Art Bruderschaft der Autokratien beizutreten. Die Frage ist, ob Erdoğan tatsächlich plant, das Angebot aufzugreifen.

Erdoğan hat bei Putin eindeutig eine Show abgezogen und ihm Freundschaft und Zusammenarbeit versprochen. Er hat damit seinen westlichen Verbündeten, die die Verhaftung von tausenden von ihm als Gegner betrachteten Personen (darunter vielen Journalisten) im Gefolge des gescheiterten Militärputsches kritisiert haben, eine deutliche Botschaft vermittelt: „Ich brauche euch nicht.“ Putin seinerseits war der erste Führer eines Landes, der nach dem Putsch zur Unterstützung der Regierung Erdoğan aufrief, was vielleicht erklärt, warum Russland, nachdem sich der Staub gelegt hatte, Erdoğans erstes Besuchsziel war.

Sicher könnte Erdoğan einfach eine günstige Gelegenheit ergriffen haben, um die Sicherheit der Türkei und der Region zu stärken. Schließlich liegt es in niemandes Interesse – und schon gar nicht dem der NATO –, dass die Türkei und Russland einander an die Gurgel gehen.