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Erdoğans wirtschaftliche Revolution

ISTANBUL – Seit 2002 regiert die Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) die Türkei in wirtschaftlicher Hinsicht mit bemerkenswertem Erfolg. In der modernen Geschichte der Türkei ist ihre Bilanz nahezu einzigartig und nur mit der Regierungszeit der Demokatischen Partei (DP) vergleichbar, die mit dem Beginn des Mehrparteiensystems einer parlamentarischen Demokratie in den 1950er-Jahren in der Türkei an die Macht kam und das Land ein Jahrzehnt lang regierte.

Die Ära der DP-Regierung ist im Bewusstsein der türkischen Öffentlichkeit als Zeit des phänomenalen Wachstums und der zunehmenden Freiheiten verankert. Mit dem Regierungsauftrag, den die AKP bei den Parlamentswahlen am 12. Juni erhalten hat, und fast 42 Jahre nachdem die DP von einer Militärjunta abgesetzt wurde, stellt sich Erdoğans Partei als Kraft heraus, die sich vorgenommen hat, neue Maßstäbe in der Entwicklung der Türkei zu setzen.

Anders als der DP-Vorsitzende Adnan Menderes, der nach einem Schauprozess vor einem Militärgericht brutal hingerichtet wurde, hat sich der AKP-Vorsitzende Recep Tayyip Erdoğan, der jetzt seine dritte Amtszeit als Ministerpräsident antreten wird, offenbar die demokratische politische Kontrolle über das türkische Militär und die Bürokratie gesichert. Die Zeit scheint vorbei, in der beide Institutionen in der Lage waren die Ergebnisse der Parlamentswahlen anzufechten.

Der jüngste Wandel in der Türkei setzte mit den schweren wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Turbulenzen des Jahres 2001 ein, die der damalige Ministerpräsident Bülent Ecevit als „Krise des türkischen Staates“ bezeichnete. In diesem Jahr hat das autoritäre/bürokratische Regime seine letzten Züge getan, das Anfang der 1920er-Jahre aufgekommen war und sich so weit von der Öffentlichkeit isoliert hatte, dass ihm seine Legitimität abhandenkam.