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Globale Entwicklung ist das Ziel

NEW YORK – Am 25. September treffen sich die Regierungen der Welt bei einer Sonderveranstaltung der UNO-Generalversammlung, um darüber zu diskutieren, wie man den Fortschritt bei den Millenniums-Entwicklungszielen (MDGs) beschleunigen könnte. Überdies will man sich auf einen Zeitplan für eine Reihe neuer nachhaltiger Entwicklungsziele (SDGs) einigen. Die Frist für die im Jahr 2000 eingeführten Milleniums-Entwicklungsziele läuft im Jahr 2015 aus. Ihnen sollen die nachhaltigen Entwicklungsziele folgen, deren Umsetzung höchstwahrscheinlich im Zeitraum 2015-2030 erfolgen wird.

Der Schwerpunkt der MDGs liegt auf der Eliminierung der extremen Armut, des Hungers und vermeidbarer Krankheiten. Dabei handelt es sich um die wichtigsten globalen Entwicklungsziele in der Geschichte der Vereinten Nationen. Mit den SDGs wird man den Kampf gegen die extreme Armut fortsetzen, sich aber auch der Herausforderung eines gerechteren Wirtschaftswachstums und ökologischer Nachhaltigkeit stellen, wobei es vor allem um die Eindämmung der Gefahren des durch den Menschen verursachten Klimawandels geht.

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Die Festlegung internationaler Entwicklungsziele bedeutet einen großen Unterschied im Leben der Menschen, vor allem an den ärmsten Orten dieses Planeten. Afrika südlich der Sahara profitierte immens von den MDGs und auf diesem Erfolg können wir bei der Konzeption der SDGs aufbauen.

Um die Bedeutung der MDGs für Afrika südlich der Sahara zu erkennen, muss man nur das Jahrzehnt vor ihrer Verabschiedung mit dem Jahrzehnt danach vergleichen. In den zehn Jahren vor den MDGs verzeichnete die Region langsames Wirtschaftswachstum, eine hohe (und steigende) Armutsrate sowie eine zunehmende Krankheitslast, einschließlich HIV/AIDS und Malaria.

Mit der Verabschiedung der MDGs rückte die Dringlichkeit der Bekämpfung von Armut, Hunger und Krankheiten in den Blickpunkt afrikanischer Regierungen, Nichtregierungsorganisationen, UN-Organisationen, internationaler Geber, Stiftungen und Aktivisten. Außerdem lenkten die MDGs die globale Aufmerksamkeit auf die lähmende Schuldenlast vieler der ärmsten Länder Afrikas, wodurch ein Prozess des Schuldenerlasses unter Führung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank in Gang gesetzt wurde.

Von 2000 bis 2010 sank die Schuldenrate Afrikas südlich der Sahara (gemessen am Anteil derer, die von weniger als 1,25 Dollar pro Tag leben) auf 48,5 Prozent, nachdem sie im Zeitraum von 1990 bis 1999 von 56,5 auf 58 Prozent angewachsen war. Das gesamte jährliche Wirtschaftswachstum, das von 1990 bis 2000 durchschnittlich 2,3 Prozent betrug, hat sich in der Zeit von 2000 bis 2010 auf 5,7 Prozent mehr als verdoppelt.

Auch im Bereich der Krankheitskontrolle waren signifikante Verbesserungen zu verzeichnen. Von 1990 bis zum Spitzenjahr um 2004 stieg die Zahl der jährlichen Malaria-Todesfälle von etwa 800.000 auf 1,6 Millionen an. Ab diesem Zeitpunkt begannen die durch Malaria bedingten Todesfälle dank der massenhaften Verteilung von Moskitonetzen auf Grundlage der MDGs bis zum Jahr 2010 auf etwa 1,1 Millionen jährlich (und jetzt vielleicht noch weniger) zu sinken.

Ebenso wenig gab es im Jahr 2000 offizielle, von Gebern unterstützte Programme, die armen Afrikanern eine antiretrovirale Behandlung von AIDS ermöglicht hätten. Der Thematisierungsmacht der MDGs war es großteils zu verdanken, dass Spendenprogramme zur Bekämpfung von AIDS umgesetzt wurden. Dank der Unterstützung durch diese Programme erhalten heute über sechs Millionen antiretrovirale Therapien.

Als Sonderberater des UNO-Generalsekretärs für die Milleniums-Entwicklungsziele (bis 2006 für Kofi Annan, seit 2007 für Ban Ki-moon) habe ich gesehen, wie ernst viele afrikanische Regierungen diese Ziele nehmen und sie als Grundlage für die Erstellung von Prioritätenlisten ebenso nützen wie zur Aktivierung von Interessensgruppen, zur Erhöhung des öffentlichen Bewusstseins und der Motivation sowie als Basis für die Rechenschaftspflicht von Ministerien. Mit der Zeit nutzten auch die UNO und Geberorganisationen aus Ländern hohen Einkommens die MDGs zunehmend, um ihre eigene Arbeit in Afrika zu organisieren. Obwohl die MDGs nicht der einzige Faktor für die Verbesserungen seit dem Jahr 2000 sind, haben sie dennoch eine enorme Rolle gespielt.

Natürlich bleibt noch viel zu tun, um die Fortschritte zur Verwirklichung der MDGs zu maximieren. Besonders hervorzuheben sind die enormen Verbesserungen im Gesundheitsbereich, die aufgrund adäquater finanzieller Ausstattung verzeichnet werden könnten. Die Geberländer sollten im heurigen Jahr für reichlich finanziellen Nachschub an den Globalen Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria sorgen, wodurch der fortgesetzte Erfolg dieser maßgeblichen Organisation gesichert wäre.

Wenn sich die UNO-Mitglieder der nächsten Auswahl globaler Entwicklungsziele zuwenden, sollten sie dabei ihre Erfahrungen mit den MDGs anwenden. Zunächst ist die Liste der SDGs relativ kurz zu halten, wobei sie nicht mehr als zehn Punkte aufweisen sollte. Dadurch bleiben die Ziele gut in Erinnerung und auch die Mobilisierung der Öffentlichkeit wird erleichtert.

Zweitens sollten alle Regierungen, ob arm oder reich, für die Erfüllung der SDGs als implementierende Kraft verantwortlich sein. Bei den MDGs waren arme Länder hauptsächlich als implementierende Kräfte und reiche Länder als Geber vorgesehen. Bei den SDGs hingegen, sollten alle Länder als implementierende Kräfte gelten (und reiche Länder auch als Geber). Wenn es nämlich um Probleme wie den Klimawandel geht, der im Mittelpunkt der der neuen SDGs stehen wird, haben die reichen Länder mehr Arbeit vor sich als die armen.

Drittens sollten die nachhaltigen Entwicklungsziele auf den Millenniums-Entwicklungszielen aufbauen. Die MDGs halfen, die globale extreme Armut um über die Hälfte zu reduzieren. Mit den SDGs sollte man sich der Herausforderung stellen, die extreme Armut für immer zu beseitigen. Verdienstvollerweise hat die Weltbank das Ziel, die extreme Armut bis 2030 zu eliminieren, bereits verabschiedet. UNO-Mitgliedsländer sollten diesem Beispiel folgen.

Schließlich sollte man mit den SDGs Expertengruppen rund um die wichtigsten Herausforderungen im Bereich nachhaltiger Entwicklung mobilisieren. Als die MDGs erstmals bekannt gegeben wurden, organisierten sich die jeweiligen Fachleute, um Ratschläge zu erteilen, wie diese Ziele erreicht werden können. Das UN-Millenniumsprojekt bildete die Synthese von etwa 250 globalen Expertenmeinungen zu den wichtigsten Themen im Entwicklungsbereich. Genau der gleiche Prozess von Expertenmeinungen und Problemlösungen ist dringend notwendig, wenn es um Themen wie kohlenstoffarme Energie, nachhaltige Landwirtschaft, widerstandsfähige Städte und universelle Gesundheitsversorgung geht, die wohl im Zentrum der SDGs stehen werden.

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Vor fünfzig Jahren erklärte der damalige US-Präsident John F. Kennedy: „Indem wir unser Ziel klarer definieren, es bewältigbarer und weniger weit entfernt erscheinen lassen, können wir allen Menschen helfen, dieses Ziel zu erkennen, daraus Hoffnung zu schöpfen und uns unaufhaltsam in Richtung der Verwirklichung bewegen.“ Die MDGs spielen diese Rolle im Kampf gegen die Armut. Die SDGs können das im Hinblick auf die Herausforderung nachhaltiger Entwicklung bewirken.

Aus dem Englischen von Helga Klinger-Groier