yergin3_Christopher FurlongGetty Images_oil refiner Christopher Furlong/Getty Images

Die Energiekrise wird sich verschärfen

WASHINGTON, DC – Ist die aktuelle Energiekrise ebenso schwerwiegend wie der Ölpreisschock der 1970er-Jahre und andere Krisen in der Vergangenheit? Seit Verbraucher über hohe Preise stöhnen, Unternehmen um ihre Energieversorgung bangen, Politik und Zentralbanken gegen die Inflation kämpfen und ganze Länder wegen ihrer Zahlungsbilanz unter Druck geraten, hört man diese Frage überall.

Also ja, diese Energiekrise ist ebenso schwerwiegend. Tatsächlich ist sie potenziell sogar noch schlimmer. In den 1970er-Jahren ging es nur um Öl, die aktuelle Krise betrifft auch Erdgas, Kohle und sogar den Kernbrennstoffzyklus. Sie heizt nicht nur die Inflation an, sie fragmentiert einen ehemals globalen Markt, macht ihn störungsanfällig und würgt das Wirtschaftswachstum ab. Und gemeinsam mit der geopolitischen Krise durch den Krieg in der Ukraine vertieft sie die Rivalität zwischen den Großmächten.

Die aktuelle Energiekrise hat nicht erst mit dem russischen Angriff auf die Ukraine eingesetzt, sondern schon letztes Jahr, als der Energiebedarf im Zuge der Erholung nach der Coronapandemie weltweit rasant zugenommen hat. Schon damals wurde in China die Kohle knapp und die Preise stiegen rasant. Dann zog der Markt für Flüssigerdgas (LNG) an, dessen Preise durch die Decke gingen und die Ölpreise gleich mitnahmen.

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