Schluss mit der Kindheit im Heim

BUDAPEST – Im September dieses Jahres hat die bulgarische Staatsanwaltschaft Mordermittlungen in 238 Todesfällen von Kindern mit Behinderungen eingeleitet, die in staatlichen Heimen in Bulgarien untergebracht waren. Die Kinder starben im Laufe der letzten zehn Jahre an Unterernährung und Hunger, behandelbaren Infektionen, Lungenentzündung, „Unfällen“ und Verwahrlosung. Von diesen 238 Fällen starben 149 Kinder in den Heimen, in denen sie lebten, anstatt in einem Krankenhaus, was die alarmierende Frage aufwirft, warum man die Kinder kurz vor ihrem Tod nicht sofort in die Intensivstation eines Krankenhauses verlegt hat.

Missbrauch und Verwahrlosung sind kein rein bulgarisches Problem. Mehrere Regierungen in Mittel- und Osteuropa in Folge haben systematisch dabei versagt, Familien mit behinderten Kindern angemessene Unterstützung zu bieten, was häufig zum Aufgeben der Kinder und zur Unterbringung in einem Heim führte. Ohne eine anregende Familie oder familienähnliche Situation können diese Kinder nicht ihr volles Potenzial entfalten. Heime führen bei Kindern zur Verschlechterung ihres Zustands, selbst wenn es keine Verwahrlosung und keinen Missbrauch gibt.

<>Die Rate der Heimunterbringung von Kindern mit Behinderungen ist stabil geblieben, soll sich jedoch umkehren. Im November trafen sich Vertreter der Mitgliedsstaaten der WHO-Europaregion in Bukarest, wo sie die europäische Erklärung „Bessere Gesundheit, besseres Leben: Kinder und Jugendliche mit geistigen Behinderungen und ihre Familien“ unterzeichneten. Die Erklärung verpflichtet die Regierungen dazu, die Gesundheitsversorgung von geistig behinderten Kindern zu verbessern, um die lebenslange Entwicklung sowie die Einbeziehung und vollständige Teilhabe an der Gesellschaft zu fördern. Zudem legt sie einen Aktionsplan mit zehn vorrangigen Bereichen vor, darunter die Stärkung von Kindern, ihr Schutz vor Unrecht und Missbrauch und die Verlagerung der Pflege aus den Heimen in die Kommunen.

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