Die Vergewaltigungskultur in Indien beenden

NEW YORK – Das Verbrechen ist unfassbar. Eine 23-jährige Medizinstudentin ist tot, zwölf Tage, nachdem sie über eine Stunde lang von sechs Männern in einem Bus vergewaltigt worden war, der auf Hauptstraßen der indischen Hauptstadt unterwegs war. Ihre inneren Verletzungen durch die Eisenstange, die die Angreifer benutzten, waren so schwer, dass Ärzte in dem Versuch, ihr Leben zu retten, den Darm entfernen mussten.

Die Inder, so scheint es, haben genug. Auf dutzenden großer und immer wütenderer Demonstrationen forderten sie von der Regierung, die Sicherheit von Frauen zu gewährleisten und Vergewaltiger endlich zur Rechenschaft zu ziehen. Die Behörden haben zwar versucht, die Proteste nicht eskalieren zu lassen, indem sie das Zentrum von Neu-Dehli abriegelten und im Rest der Stadt den Verkehr einschränkten, jedoch ohne Erfolg. Nach dem Tod eines Polizisten wurde in die Menge gefeuert, wodurch ein Journalist, Bwizamani Singh, getötet wurde, was eine Rüge von Reporter ohne Grenzen zur Folge hatte.

Den scharfen Protesten liegt  an der Wurzel nicht einfach die hohe Vergewaltigungsrate in Indien zugrunde. In einer leidenschaftlichen Rede hat Kavita Krishnan, Sekretärin der indischen Frauenorganisation All India Progressive Women’s Association, ausgesprochen, worum es bei den Protesten wirklich geht: die gängige Praxis in Indien, die Opfer von Sexualverbrechen selbst verantwortlich zu machen. Behörden und Polizei, so Krisham, haben erst kürzlich wieder darauf hingewiesen, dass die meisten Vergewaltiger in Indien nicht verfolgt werden können, weil sie, wie ein Beamter es ausdrückte, der Frau bekannt seien. Andere Beamte haben angedeutet, dass die Opfer selber durch die Verwendung ihrer Bewegungsfreiheit die Verbrechen „provozierten“.

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