A US flag hangs on a tree ROBYN BECK/AFP/Getty Images

Ruhe sanft, liberale Weltordnung

NEU-DELHI – Nach fast 1000 Jahren, so scherzte einst der französische Philosoph und Schriftsteller Voltaire, sei das verblassende Heilige Römische Reich weder heilig noch römisch noch ein Kaiserreich mehr gewesen. Heute, rund zweieinhalb Jahrhunderte später, besteht das Problem, in Anlehnung an Voltaire, darin, dass die verblassende liberale Weltordnung weder liberal noch von weltweiter oder geordneter Beschaffenheit ist.

Die USA haben die liberale Weltordnung in enger Zusammenarbeit mit dem Vereinigten Königreich und anderen im Gefolge des Zweiten Weltkriegs geschaffen. Ziel dabei war, sicherzustellen, dass die Bedingungen, die innerhalb von 30 Jahren zu zwei Weltkriegen geführt hatten, sich nie wiederholen würden.

Zu diesem Zweck versuchten die demokratischen Länder, ein internationales System zu schaffen, das in dem Sinne liberal war, als es auf Rechtsstaatlichkeit und dem Respekt für die Souveränität und territoriale Integrität von Ländern beruhte. Die Menschenrechte sollten geschützt werden. All dies sollte auf den gesamten Planeten Anwendung finden; zugleich stand die Teilnahme an diesem System allen Ländern offen und war freiwillig. Es wurden Institutionen errichtet zur Förderung des Friedens (die Vereinten Nationen), der wirtschaftlichen Entwicklung (die Weltbank) und von Handel und Investitionen (der Internationale Währungsfonds und das, woraus sich Jahre später die Welthandelsorganisation entwickelte).

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