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Eine starke Partnerschaft zwischen Afrika und der EU

BRÜSSEL – Afrika ist Heimat von einer Milliarden Menschen und schmückt sich mit der jüngsten und am schnellsten wachsenden Mittelschicht der Welt. Mit einem Altersdurchschnitt von 14 Jahren jünger als jeder andere Kontinent steht Afrika am Scheitelpunkt eines tiefgreifenden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Wandels. In den Ländern südlich der Sahara treten jedes Jahr rund 20 Millionen Arbeitssuchende in den Arbeitsmarkt ein. Werden diese jungen Menschen in die Wirtschaft eingegliedert, können sie entscheidend zu Entwicklung und Wachstum der Region beitragen.

Damit Afrika diese demografische Dividende auch nutzen kann, müssen Finanzinstitutionen und Entwicklungsbanken in die kommende Transformation investieren. Dazu müssen wir den privaten Sektor – den Motor des Arbeitsmarkts – fördern und unsere eigene Arbeit reformieren.

In allen Bereichen der wirtschaftlichen Entwicklung sind Investitionen in Afrikas Zukunft ein Gewinn für beide Seiten, weil die größten Probleme des Kontinents in vielen Fällen globale Probleme sind, die sich auf uns alle auswirken. COVID-19 zeigt dies mehr als deutlich und ist ein erster Vorbote der Dinge, die uns im Zeitalter des Klimawandels erwarten. Wenn Europa die schlimmsten Folgen der globalen Erwärmung verhindern will, muss es alle Länder der Welt dabei unterstützen, nachhaltig zu werden und sich an den Klimawandel anzupassen.

Obwohl Afrika reich an natürlichen Ressourcen ist, leidet es aufgrund von politischen und historischen Faktoren unter hohen Armutsquoten. Neun von zehn der Länder mit den höchsten Armutsquoten liegen in afrikanischen Ländern südlich der Sahara und Schätzungen zufolge haben die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie die Gesamtzahl um weitere 32 Millionen erhöht.

Allerdings eröffnen sich dem Kontinent gerade auch neue Chancen. Die Öl- und Bergbaubranche stehen heute nur noch für den kleineren Teil der langfristigen Kapitalzuflüsse, da sich Investoren inzwischen auf Telekommunikation, Handel und Dienstleistungen konzentrieren. In Subsahara-Afrika gehen jeden Tag im Schnitt 90.000 Nutzer erstmals ins Internet. Afrika entwickelt sich schnell zum neuen globalen Zentrum des Mobile-Banking. Dieser Prozess wird den Zugang seiner Wirtschaft zu den Märkten der Welt erleichtern und sie krisenfester machen, die Transparenz verbessern und Arbeitsplätze schaffen.

Der Entwicklungsbericht. der Europäischen Investitionsbank für 2021, in dem unsere Kredite in Afrika in Höhe von 5 Milliarden Euro detailliert aufgeführt werden, enthält mehrere Artikel, in denen Expertinnen und Experten die komplexen Probleme der heutigen Entwicklungsfinanzierung erläutern. Zu den neuen Problemen gehören korrekte Verfahren zur Berechnung der Klimarisiken, aber auch die Ausweitung von Programmen zur Rettung der Wälder in der Elfenbeinküste, die in alarmierender Geschwindigkeit abgeholzt werden, um Flächen für den Kakaoanbau zu gewinnen.

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Neben dem Entwicklungsbericht haben wir auch den Titel Eine Partnerschaft mit Afrika veröffentlicht, der ausführlich die wichtigsten strategischen und politischen Ansätze der modernen Entwicklungsförderung analysiert. Als eine der entscheidenden globalen Herausforderungen dieses Jahrhunderts wird der Klimawandel weitere Menschen aus ihrer Heimat vertreiben, Staaten und Gesellschaften schwächen und damit die Probleme Afrikas verschärfen. Obwohl Afrika weniger als 4 % zu den weltweiten Treibhausgasemissionen beiträgt, wird es die vollen Auswirkungen der globalen Erwärmung zu spüren bekommen.

Allerdings bietet der relativ geringe Industrialisierungsgrad des Kontinents (der sich in seinem kleinen Beitrag zum Klimawandel widerspiegelt) ihm auch die einzigartige Chance, direkt in eine grüne Zukunft zu springen. Damit dies gelingt, müssen afrikanische Führer Innovationen und den Einsatz der besten verfügbaren Technologien fördern. Grundlegende Güter wie Wasser, erneuerbare Energie und saubere Mobilität müssen für jeden verfügbar werden.

Die EIB ist seit 1965 in Afrika aktiv und hat in 52 afrikanischen Ländern insgesamt 59 Milliarden Euro investiert und ein Modell verfeinert, von dem andere internationale Finanzinstitutionen lernen können. Im vergangenen Jahr gingen 71 % unserer Kredite für Subsahara-Afrika an fragile Staaten oder die am wenigsten entwickelten Länder, wo wir versucht haben, positive Veränderungen zu unterstützen, also zum Beispiel ein schnelles Wirtschaftswachstum, mehr politische Stabilität und Integration, höhere ausländische Investitionen und mehr und bessere Geschäftsmöglichkeiten. Das Fundament dieser Arbeit ist die Bereitschaft, afrikanischen Staats- und Regierungschefs zuzuhören und mit ehrgeizigen und engagierten Innovatoren zusammenzuarbeiten. Dadurch können wir auf lokale Bedürfnisse und Prioritäten unmittelbar reagieren und gleichzeitig den politischen Vorgaben der EU folgen.

In den letzten Monaten haben wir strategische Gespräche mit den Präsidenten des Senegal, Ghanas und Tunesiens und mit der Kommissarin der Afrikanischen Union Josefa Sacko geführt. Aber auch beim jüngsten Afrikagipfel unter der Leitung von Emmanuel Macron in Paris und beim hochrangigen Forum für umweltfreundliche Investitionen zwischen der EU und Afrika im April spielte die EIB eine aktive Rolle. Auf beiden Veranstaltungen betonten Staats- und Regierungschefs beider Kontinente die Notwendigkeit einer stärkeren Partnerschaft.

Viele afrikanische Führer haben mit eindrucksvoller Entschlossenheit auf die COVID-19-Pandemie reagiert. Wenn sie gemeinsam handeln, können Afrika und Europa die aktuelle Gesundheits- und Wirtschaftskrise überwinden und gemeinsame Investitionsprioritäten festlegen, die eine nachhaltige und umfassende Erholung ermöglichen.

Wir bei der EIB haben unsere Tätigkeit in Afrika in den letzten Jahren bereits stark weiterentwickelt. Und nach Diskussionen mit EU-Politikern, wie sich die europäische Finanzarchitektur im Bereich Entwicklung verbessern lässt, haben wir neu überlegt, wie wir unsere Beiträge vermehrt auf die Bereiche lenken können, wo sie maximal zu den Zielen der EU und Afrikas beitragen.

Wenn wir unsere Entwicklungsfinanzierung in enger Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission und dem Europäischen Auswärtigen Dienst besser steuern, können wir dazu beitragen, die starken Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen Europa und Afrika zu schaffen, die wir heute dringender brauchen denn je. Im Zeitalter des Klimawandels und weltweiter Pandemien werden unsere Kontinente entweder zusammen überleben oder gemeinsam untergehen.

https://prosyn.org/0fCP2isde