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Wirtschaftlicher Umgang mit Leben und Tod

Haben Sie je am Sterbebett eines statistischen Menschenlebens gesessen? „Statistische Leben“ sind solche, die Politiker retten, sterben lassen oder töten, wenn sie Beschlüsse über die Zuweisung von Ressourcen im Gesundheitswesen treffen.

Das Gesundheitswesen ist nicht der einzige Bereich, in dem politische Entscheidungen eine Frage von Leben und Tod darstellen. Umweltprogramme zur Reduzierung der Luftverschmutzung, Bemühungen zur Aufklärung über die schädlichen Folgen des Rauchens, Verkehrsmaßnahmen, die das Risiko von Autounfällen verringern: Viele politische Entscheidungen retten Leben – und lassen andere Leben unbeachtet, die hätten gerettet werden können, wenn man das Geld anders ausgegeben hätte.

Falls Sie also je an einem Sterbebett gesessen haben, kann die Antwort daher sehr wohl lauten: Ja, Sie haben am Sterbebett eines statistischen Lebens gesessen.

Trotzdem sagen wir, dass Herr Müller an Krebs gestorben ist und nicht, dass er an der politischen Entscheidung gestorben ist, die Finanzierung von Krebsvorsorgeuntersuchungen einzustellen. Wir sagen, dass Frau Meier an einem Verkehrsunfall gestorben ist und nicht, dass sie der Straßenverkehrsordnung zum Opfer gefallen ist. Kurz gesagt: Wir identifizieren normalerweise politische Entscheidungen nicht als Ursachen individueller Todesfälle.