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Ökonomen und Demokratie

CAMBRIDGE – Ich habe mein neues Buch The Globalization Paradox in letzter Zeit verschiedenen Gruppen vorgestellt und mich mittlerweile an alle möglichen Kommentare aus dem Publikum gewöhnt. Aber kürzlich, bei einer Buchvorstellung, überraschte mich der Ökonom, der das Buch besprechen sollte, mit einer unerwarteten Kritik: „Rodrik will eine sichere Welt für Politiker“, schimpfte er.

Damit auch alle verstünden, was er damit meinte, erinnerte er das Publikum an den ehemaligen japanischen Landwirtschaftsminister, der argumentierte, Japan könne kein Rindfleisch importieren, weil Japaner einen längeren Darm hätten als andere Menschen.

Er erntete ein paar Lacher dafür. Wer hat schon etwas dagegen, sich über Politiker lustig zu machen?

Aber die Bemerkung hatte einen ernsten Hintergrund und sollte ganz offensichtlich einen Fehler in meiner Argumentation aufdecken. Für meinen Diskussionspartner war es offensichtlich eine schlechte Idee, Politikern mehr Spielraum zu gewähren – und er ging davon aus, dass das Publikum seiner Meinung sein würde. Sobald man Politkern zuviel Freiheit gäbe, so schien er zu sagen, bekommt man nichts als alberne Interventionen, die die Märkte drosseln und den Motor des Wirtschaftswachstums abwürgen.