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Nobelpreisökonomie gegen Sozialdemokratie

OXFORD – Von den Eliten, die unsere moderne Gesellschaft steuern, haben nur die Ökonomen einen Nobelpreis, dessen jüngste Empfänger, Oliver Hart und Bengt Holmström, gerade verkündet wurden. Egal, aus welchem Grund die Ökonomen diesen einzigartigen Status genießen: Der durch den Preis verliehene Heiligenschein kann Politiken Glaubwürdigkeit verleihen (und hat es schon oft getan), die dem öffentlichen Interesse zuwiderlaufen, indem sie beispielsweise die Ungleichheit verschärfen und die Wahrscheinlichkeit von Finanzkrisen erhöhen.

Doch besetzt die Ökonomie das Feld nicht gänzlich für sich allein. Eine andere Weltsicht bestimmt in den meisten entwickelten Ländern die Allokation von rund 30% vom BIP: für Beschäftigung, Gesundheit, Bildung und die Renten. Diese Sicht, wie eine Gesellschaft gelenkt werden sollte, – die Sozialdemokratie – ist nicht nur eine politische Orientierung, sondern auch eine Regierungsmethode.

Die Textbuchökonomie geht davon aus, dass die Gesellschaft durch selbstsüchtige Individuen angetrieben wird, die auf den Märkten Handel treiben und deren Entscheidungen über die „unsichtbare Hand“ auf einen effizienten Staat hinauslaufen. Doch ist diese Doktrin weder theoretisch noch praktisch gut begründet: Ihre Prämissen sind unrealistisch, die von ihr unterstützten Modelle widersprüchlich und ihre Vorhersagen häufig falsch.

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