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Wird Europas neues TPI ein Geldautomat sein?

NEW YORK – Endlich ist es soweit. Die Europäische Zentralbank hat ein Transmissionsschutzinstrument (Transmission Protection Instrument, TPI) eingeführt, um eine Fragmentierung der Geldpolitik innerhalb der Eurozone zu verhindern. Das kurz nach der Sitzung des EZB-Rats am 21. Juli angekündigte TPI hat die Nachricht überschattet, dass die EZB ihren Leitzins um 50 Basispunkte anheben wird, was mehr ist als erwartet, aber weniger, als die makroökonomische Lage und das Preisstabilitätsmandat erfordern.

In der Pressemitteilung der EZB heißt es, dass das TPI „das Instrumentarium des EZB-Rats ergänzen wird und aktiviert werden kann, um einer ungerechtfertigten, ungeordneten Marktdynamik entgegenzuwirken, die eine ernsthafte Bedrohung für die Übertragung der Geldpolitik im gesamten Euro-Währungsgebiet darstellt“. Wenn bestimmte vorab festgelegte Kriterien erfüllt sind, „wird das Eurosystem in der Lage sein, Sekundärmarktkäufe von Wertpapieren zu tätigen, die in Ländern emittiert wurden, in denen eine Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen nicht durch länderspezifische Fundamentalfaktoren begründet ist, um Risiken für den Transmissionsmechanismus entgegenzuwirken“.

Ich kann mir vorstellen, dass es wirtschaftlich sinnvoll ist, eine Fazilität zu schaffen, die als „Market Maker of Last Resort“ oder vielmehr als „Buyer of Last Resort“ fungiert, wenn die Marktliquidität auf den Märkten für Staatsanleihen (und auf systemisch wichtigen privaten Wertpapiermärkten) erheblich beeinträchtigt ist. Finanzmärkte können wankelmütig und unzuverlässig sein. Sie sind komplexe, nicht lineare Systeme, die chaotisch von irrationalem Überschwang zu ungerechtfertigter Verzagtheit schwanken können. Selbstbestätigende Anfälle von Angst und Panik können dazu führen, dass die Marktliquidität versiegt. In einer Welt der multiplen Gleichgewichte können selbst technisch effiziente Finanzmärkte unerwünschte Preisblasen erzeugen, die zu sich selbst erfüllenden Schuldenkrisen und Zahlungsausfällen führen.

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