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Die stumpfe Waffe der EZB

BRÜSSEL – Angesichts des weiterhin hartnäckigen Abwärtstrends der Inflation in der Eurozone wächst der Druck auf die EZB, "etwas" zu unternehmen, um eine Deflation zu verhindern. Unter diesem "Etwas" werden normalerweise massive Anlagenkäufe, also eine quantitative Lockerung verstanden. Aber würde das tatsächlich helfen?

Die Diskussion ist bisher leicht vorhersehbaren nationalen Mustern gefolgt. Gläubigerländer haben nichts gegen eine Deflation, weil die den realen Wert ihrer Investition erhöht, wohingegen die Rückzahlungslast der Schuldnerländer wächst.

In einer geschlossenen Wirtschaft entspricht jedem Kredit eine dazu gehörende Schuld. Aber wenn wir einzelne Länder betrachten, sehen wir, dass einige hohe Auslandsschulden haben, während andere eine starke Gläubigerposition aufrechterhalten.

Die USA und Deutschland sind zwei Extreme auf der Gläubiger-Schuldner-Skala. Die USA, die von dem "exorbitanten Privileg" profitieren, Schuldtitel in ihrer eigenen Währung zu emittieren, leisten sich seit mehr als 30 Jahren Leistungsbilanzdefizite. Die Gesamtauslandsverschuldung der USA (das meiste davon in US-Dollar), beläuft sich auf mehr als 7 Billionen Dollar. Dies bedeutet, dass eine Senkung der Zinssätze in den USA dem Land als Ganzes zugutekommen würde, im Verhältnis zu Gläubigerländern, wie Deutschland, wo die Zinseinnahmen sinken würden.