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Die neuen Philosophen

PRINCETON – Auf dem jüngsten Treffen der G-20-Finanzminister in Australien sprach US-Finanzminister Jack Lew von „philosophischen Differenzen zu einigen unserer Freunde in Europa“, bevor er die Europäer drängte, mehr zur Steigerung ihrer anämischen Wachstumsrate zu tun. Die Terminologie ist auffällig und unterstreicht die Schwierigkeit der europäischen Suche nach einem Ausweg aus der aktuellen Krise.

Kanadas Finanzminister Joe Oliver schloss sich dem Aufruf nach einer fiskalen Expansion in Europa an – eine Position, für die es innerhalb der Europäischen Zentralbank ein gewisses Maß an Unterstützung zu geben scheint. Tatsächlich hat sich EZB-Präsident Mario Draghi für höhere Ausgaben durch Länder mit stärkerem Haushalt wie Deutschland ausgesprochen. Und Benoit Coeure, Mitglied des EZB-Exekutivkomitees, schlug kürzlich gemeinsam mit seinem ehemaligen Kollegen und jetzigen Vizearbeitsminister Jörg Asmussen vor, Deutschland solle „seinen verfügbaren Spielraum für die Förderung von Investitionen und die Reduzierung der Steuerbelastung von Arbeitnehmern ausschöpfen“.

Tatsächlich ist der größte Teil der Welt der Ansicht, Deutschland solle eine expansivere Haushaltspolitik verfolgen. Dieser Ansicht zufolge sind Sparmaßnahmen kontraproduktiv, da sie Verlangsamungen und Rezessionen auslösen, die langfristige Haushaltskonsolidierung schwieriger machen.

Aber die Deutschen bleiben stur – ebenso wie einige Nordeuropäer und vielleicht ein paar chinesische Ökonomen. Sie glauben, das Nachgeben gegenüber Aufrufen zur Stimulation würde lediglich zu mehr solcher Aufrufe führen und eine Dominostein-Dynamik auslösen, die jede Hoffnung auf Haushaltskonsolidierung zunichte macht.