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Der Kampf gegen Ebola an allen Fronten

PARIS – Angesichts der medialen Berichterstattung in den Vereinigten Staaten und Europa über den Ausbruch der Ebola in Westafrika könnte man zu dem Schluss kommen, dass sich die Umstände in den betroffenen Ländern nach und nach verbessern. Aber unabhängig davon, dass die Epidemie nicht mehr auf den Titelseiten steht, ist das Virus noch lange nicht besiegt. Er bleibt weiterhin eine ernste Bedrohung für die weltweite Gesundheit.

Kürzlich bin ich gemeinsam mit dem französischen Präsidenten François Hollande nach Conakry, der Hauptstadt von Guinea, gereist und dann nach Macenta gefahren, einen ländlichen Bezirk im Waldgebiet des Landes, nahe dem Ort, wo der Ausbruch begann. In beiden Orten habe ich den zerstörerischen Einfluss des Virus aus erster Hand erfahren: Leiden, Angst, Verzweiflung und letztlich Tod. Sogar triviale Dinge bekamen plötzlich Bedeutung: Es wurden keine Hände mehr geschüttelt.

Aleppo

A World Besieged

From Aleppo and North Korea to the European Commission and the Federal Reserve, the global order’s fracture points continue to deepen. Nina Khrushcheva, Stephen Roach, Nasser Saidi, and others assess the most important risks.

Die Wahrheit ist, dass sich der Ebola-Virus weiter ausbreitet – mit großer Geschwindigkeit. Zwar ist er in Liberia unter Kontrolle, aber nur in Liberia – und sogar dort gibt es keine Garantie dafür, dass es nicht zu einem neuen Ausbruch kommt.

Die Ebola geht Wege, die anders sind als die, die wir von früher kennen. Der Erreger verbreitet sich nicht so schnell wie beispielsweise der der Grippe oder viele andere, was in der Vergangenheit das Ausmaß der Epidemie begrenzt hat, insbesondere auf den ländlichen Raum. Dieses Mal aber hat das Virus die Städte erreicht, wo es besonders gefährlich ist. Die hohe Bevölkerungsdichte ist ein Nährboden für jedes Virus, also auch für Ebola. Westafrikas verheerende Kombination aus Armut, Mangel an medizinischen Ressourcen und überfüllten Stadtgebieten wirkt besonders tödlich.

In diesem Jahr sind fast 7.500 Menschen an Ebola gestorben. Berichten zufolge wurden über 16.000 infiziert. Dies sind lediglich Schätzungen. Sie liefern zwar wichtige Informationen über den Verlauf der Epidemie und die Effektivität der Bekämpfungsversuche, aber Beamte warnen, dass die tatsächlichen Zahlen viel höher sein könnten.

Gesundheit ist ein weltweites öffentliches Gut. In den meisten Ländern ist das Recht auf Gesundheit in der Verfassung oder der Gesetzgebung verankert. Dieses Recht schließt laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) den „Zugang zu rechtzeitiger, akzeptabler und erschwinglicher Gesundheitsfürsorge von angemessener Qualität“ ein. Aber bei Virenerkrankungen wie Ebola können, wenn überhaupt, nur wenige Staaten solche Garantien geben.

Vom moralischen Gesichtspunkt aus betrachtet obliegt es der internationalen Gemeinschaft und ihren Institutionen, Behörden, Unternehmen und Einzelpersonen mit ihrem Wissen und ihrem Reichtum, die Mittel bereitzustellen, die für einen Ausbreitungsstopp der Ebola erforderlich sind. Auch aus rein selbstbezogenen Gründen ist dies erforderlich. Wenn das Virus nicht schnell gestoppt wird, erhöht sich das Risiko in allen Ländern und für alle Menschen.

Die gute Nachricht ist, dass Ebola gestoppt werden kann. Eine Ausrottung ist möglich. Um dies zu erreichen, müssen wir allerdings das Virus verstehen und diagnostizieren können. Seiner Ausbreitung muss vorgebeugt werden, und es müssen Behandlungen verfügbar sein.

Auch wenn es bis jetzt noch keinen klinisch getesteten Impfstoff gegen Ebola gibt, könnte sich dies bald ändern. Seit dem Ausbruch im März erforscht das Institut Pasteur, ein unabhängiges, gemeinnütziges Forschungsinstitut, wie das Virus gebremst werden kann und welche Behandlungen möglich sind. Um zu verstehen, wie sich Epidemien entwickeln, verfolgen unsere Forscher ihre Ausbreitung, und wir arbeiten an der Ausbildung des wissenschaftlichen und medizinischen Personals vor Ort. Wir erwarten, dass zwei unserer Impfstoffe 2015 für klinische Versuche bereit stehen.

Die Ebola-Arbeitsgruppe des Institut Pasteur kämpft vor Ort in Westafrika und im Labor in Frankreich gegen das Virus, untersucht seine Ausbreitung, und lässt nichts unversucht, um eine medizinische Lösung zu finden, die den Ausbruch stoppt und weitere Epidemien verhindert. Gemeinsam mit der WHO und Nichtregierungsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen, dem Roten Kreuz und dem Roten Halbmond setzt sich das Institut Pasteur dafür ein, das Virus und seine Ursachen zu bekämpfen.

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Staaten in aller Welt haben finanzielle und sonstige Unterstützung für das dringendste Thema zugesagt: die Hilfe für betroffene Menschen und Gemeinschaften. Viele Ländern tragen bereits jetzt zur Erforschung der Ursachen, Verbreitung und Behandlung der Ebola bei. Eine internationale „Koalition der Willigen“ wurde aufgebaut, und wir appellieren an alle Staaten, relevante Organisationen, interessierte Unternehmen und qualifizierte Einzelpersonen, ihr beizutreten. Gemeinsam können und werden wir die Ebola-Epidemie beenden.

Aus dem Englischen von Harald Eckhoff