0

Ebola und Innovation

BOSTON – Der anhaltenden Ebola-Krise sind nicht nur Menschenleben zum Opfer gefallen. In den jüngsten Diskussionen darüber, wie der Virus bekämpft werden kann, wurde die methodische Strenge von Wissenschaft und Medizin durch kurzsichtige Politik und öffentliche Hysterie verdrängt. Natürlich muss datenbezogene öffentliche Politik beim Kampf gegen die Seuche weiterhin an erster Stelle stehen. Ebenso wichtig ist es aber, Lehren aus der Epidemie zu ziehen und sicher zu stellen, dass wir auf den Ausbruch anderer Krankheiten vorbereitet sind.

Aus der aktuellen Ebola-Epidemie sollten zwei wichtige Lehren gezogen werden. Erstens darf der Kampf gegen eine einzelne Krankheit nicht auf Kosten des gesamten Gesundheitssystems geführt werden. Länder mit fragilen Gesundheitssystemen können vielleicht mit der Hilfe von Nichtregierungsorganisationen und ausländischen Regierungen gegen eine bestehende Epidemie vorgehen, aber auf unerwartete Ausbrüche neuer Krankheiten könnten sie schlecht vorbereitet sein.

Chicago Pollution

Climate Change in the Trumpocene Age

Bo Lidegaard argues that the US president-elect’s ability to derail global progress toward a green economy is more limited than many believe.

In Liberia beispielsweise ging die Malaria bei Kindern unter fünf Jahren von 66% im Jahr 2005 auf unter 32% im Jahr 2011 zurück. Trotzdem war, als der Ebola-Virus Anfang dieses Jahres vom Nachbarland Guinea nach Liberia kam, die Gesundheitsinfrastruktur des Landes schnell überfordert. Über 2.000 Liberianer starben an der Seuche, und der Virus ist immer noch aktiv. Auch andere Länder waren in manchen Bereichen – wie beispielsweise im Kampf gegen Ebola – erfolgreich. Wenn sie aber ihre Gesundheitssysteme als Ganze nicht stärken, könnten sie zukünftig weiterhin unter Todesopfern oder wirtschaftlichem Chaos leiden.

Die zweite Lektion ist, dass durch die Ebola-Epidemie große Lücken in unserer Fähigkeit erkennbar wurden, mit diesem Virus und ähnlichen Krankheiten fertig zu werden. Unsere Politik und Maßnahmen waren oft nicht proaktiv, sondern reaktiv. So mangelte es an erschwinglicher und leicht verwendbarer Schutzausrüstung für Krankenpfleger vor Ort, ebenso wie an schnellen, verlässlichen, robusten und kosteneffektiven Testmethoden. Öffentliche und gemeinnützige Einrichtungen sollten Innovationen unterstützen, die nicht nur auf akute Problemlösung ausgerichtet sind, sondern sich auch um zukünftige Herausforderungen kümmern.

Das Büro für Internationale Entwicklung der Vereinigten Staaten, das Büro für Wissenschaft und Technologie des Weißen Hauses, die Zentren für Seuchenschutz und -Vorbeugung sowie das US-Verteidigungsministerium haben Ebola zu einer „großen Herausforderung für die Entwicklung“ erklärt und Maßnahmen ergriffen, um praktische, kosteneffektive Innovationen zu ihrer Behandlung und Vorbeugung zu finanzieren. Dies ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, aber wenn solche Bemühungen einen Effekt haben sollen, müssen sie bereits lange vor einem Ausbruch beginnen. Bevor neue Technologien vor Ort eingesetzt werden können, wird Zeit benötigt, um sie zu testen, und jede neue Erfindung muss Hürden überwinden, bis sie zur Massenproduktion gelangt.

Die Ebola-Krise hat gezeigt, dass wir grundlegend darüber nachdenken müssen, wie wir unsere Fähigkeit zur Innovation verbessern können. Zusätzlich zur Stärkung der Gesundheitssysteme in den Entwicklungsländern müssen wir unsere Kapazitäten für die Entwicklung neuer Lösungen gegen das Auftreten ähnlicher Probleme ausbauen.

Ingenieure lernen während ihrer Ausbildung oft nichts über die Probleme, die außerhalb der Industriestaaten auftreten. Medizinstudenten oder Krankenpfleger studieren oder praktizieren oft an Orten, die unter Seuchen leiden, aber für Ingenieure oder Techniker sind solche Gelegenheiten meist rar. Daher wissen talentierte Wissenschaftler oder Ingenieure oft erschreckend wenig über die zu lösenden Probleme, und selbst diejenigen mit gutem Willen können ihre Ausbildung oft nicht dafür verwenden, neu auftretende Bedrohungen zu bekämpfen.

Die Entwicklung von Technologien benötigt Zeit und Engagement. Wir müssen nicht nur in den Ausbildungsstätten für Techniker und Ingenieure das Bewusstsein für globale Herausforderungen verbessern und Studenten die Gelegenheit geben, sie vor Ort zu lösen, sondern auch Mechanismen einführen, die die Ideen dieses Prozesses fördern und aufrecht erhalten. Indem wir Forschungsgelder bereitstellen, die über die jeweils aktuelle Epidemie hinaus reichen, können wir unser Arsenal von Lösungen für die bessere Bewältigung der nächsten Epidemie grundlegend verbessern.

Fake news or real views Learn More

Bei der nächsten Epidemie in der Art von Ebola werden unsere Handlungsmöglichkeiten von der Stärke der örtlichen Institutionen abhängen, ebenso wie von unserer Fähigkeit, die richtigen Werkzeuge zur Bekämpfung der Krankheit entwickeln zu können. Niemand weiß, wie viele Menschenleben von den Schritten abhängen, die wir jetzt tun.

Aus dem Englischen von Harald Eckhoff