0

China und die Trockenheit

ANSHUN, PROVINZ GUIZHOU, CHINA -- Der Huangguoshu-Wasserfall in der Provinz Guizhou im Südwesten Chinas ist ein herrlicher Anblick, wenn es Wasser gibt. Der größte Wasserfall Asiens ergießt sich tosend über eine mehr als 60 Meter hohe Felswand und bietet ein Schauspiel aus Schaum, Sprühnebel und Regenbogen.

Leider ist dieses Naturwunder neuerdings einer Demütigung ausgesetzt. Es wird jeden Abend abgestellt, als wäre es ein Springbrunnen. Dieser Teil des südwestlichen Chinas, der für seine starken Regenfälle, Berge, unterirdischen Flüsse und Höhlen und seine tropische Flora bekannt ist, wird seit Kurzem von einer Dürre heimgesucht, von der viele behaupten sie sei die schlimmste seit der Ming-Dynastie.

Nachdem all die Touristen, die kostbare Einnahmen in diese arme Region spülen, die Aussichtsplattformen unterhalb des Wasserfalls verlassen haben, schließen die Behörden die Schleusentore, die den Weißwasserfluss des bedrohlich niedrigen Stausees stromaufwärts zurückhalten und der Wasserfall versiegt. Bevor die Touristen morgens wiederkommen werden die Schleusen wieder geöffnet und die beunruhigende Stille des Wasserfalls wird unvermittelt wieder vom trügerischen Schein der Normalität abgelöst.

Die Störung eines so elementaren Bestandteils der natürlichen Architektur dieser Region ist nur eine der Maßnahmen, mit denen den vielen Formen schwerwiegender Wetteranomalien begegnet wird – von Überschwemmungen und Dürren über jahreszeitlich untypische Schneestürme und gewaltige Staubstürme –, die in letzter Zeit in China für Verunsicherung sorgen. Niemand kann mit Bestimmtheit sagen, was die Ursachen sind.