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Der jüngste Tag für den Dollar?

Im zweiten Quartal 2004 erreichte das Leistungsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten eine Höhe von 5,7 % des BIP. Dennoch bleibt der Dollarkurs relativ hoch: Er liegt weniger als 20 % unter den Höchstständen im Jahr 2001 und real um mehr als 10 % höher als Anfang und Mitte der 1990er Jahre.

Als das US-Leistungsbilanzdefizit in den letzten fünf Jahren anstieg, haben eine Reihe von Ökonomen Unheil prophezeit: Die Gesamtkapitalrenditen sind in den USA relativ gering, daher werden die Besitzer von Dollar-Wertpapieren zu irgend einem Zeitpunkt - wahrscheinlich alle auf einmal - erkennen, dass dem Risiko eines beträchtlichen Wertverlustes nicht adäquat Rechnung getragen wird. Wenn Portfolio-Investoren beginnen, ihre Dollar-Wertpapiere zu verkaufen, werden andere in Panik folgen, einen Kurssturz des Dollars verursachen und damit die erste große Finanzkrise des 21. Jahrhunderts auslösen.

Fred Bergsten vom Institute for International Economics in Washington bezeichnet die Situation als „Desaster in Vorbereitung". Wie tief wird der Dollar fallen müssen? Die erste historische Faustregel besagt, 10 % für jedes Prozent des BIP-Wertes des nicht tragbaren gegenwärtigen Leistungsbilanzdefizits. Die zweite Faustregel ist, dass Währungen, die an Kursverlust leiden dazu neigen, überschießend zu reagieren: In der Nähe des Tiefststandes fordern internationale Währungsspekulanten aus Angst, der Kurssturz könnte eine noch größere Katastrophe auslösen, eine beträchtliche Risikoprämie.

Wann kommen also der erwartete Dollarsturz und die Krise? Bergsten meint „bald".