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Die außenpolitischen Herausforderungen für Donald Trump

CAMBRIDGE – Der designierte US-Präsident Donald Trump hat im Wahlkampf 2016 die Bündnisse und Institutionen, die die liberale Weltordnung stützen, infrage gestellt, aber seine politischen Vorstellungen kaum konkretisiert. Die vielleicht wichtigste Frage, die sein Wahlsieg aufwirft, ist, ob die lange Phase der Globalisierung, die mit Ende des Zweiten Weltkriegs begann, nun im Wesentlichen vorbei ist.

Das muss nicht zwingend so sein. Selbst wenn Handelsverträge wie die Transpazifische Partnerschaft und TTIP scheitern und sich die wirtschaftliche Globalisierung verlangsamt, fördert die Technologie die ökologische, politische und gesellschaftliche Globalisierung in Gestalt des Klimawandels, des grenzüberschreitenden Terrorismus und der Migration – ob es Trump nun gefällt oder nicht. És geht bei der Weltordnung um mehr als nur die Wirtschaft, und die USA bleiben dabei zentral.

Wir Amerikaner schätzen unseren Platz in der Welt häufig falsch ein. Wir schwanken zwischen Euphorie und Defaitismus. Nachdem die Sowjets 1957 den Sputnik ins All schossen, dachten wir, es ginge abwärts mit uns. In den 1980er Jahren dachten wir, die Japaner wären 3 m groß. Im Gefolge der großen Rezession von 2008 glaubten viele Amerikaner fälschlich, dass China inzwischen mächtiger sei als die USA.

Trotz Trumps Wahlkampfrhetorik befinden sich die USA nicht im Niedergang. Einwanderungsbedingt sind sie das einzige wichtige entwickelte Land, das bis Mitte des Jahrhunderts keinen demografischen Niedergang erleben wird. Ihre Abhängigkeit von Energieimporten steigt nicht, sondern sinkt. Sie stehen an vorderster Front bei den wichtigen Technologien, die dieses Jahrhundert formen werden (Biotechnologie, Nanotechnologie, Informationstechnologie). Und ihre Universitäten dominieren die weltweiten Ranglisten.