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Die „New Economy“ liegt noch lange nicht im Sterben

CAMBRIDGE: Bis vor kurzem noch regierte die so erfolgreiche amerikanische „New Economy“ unbestritten die Welt: keine Inflation zu verzeichnen, zu allen Zeiten hohe Aktienwerte, vier Jahre lang ein Wachstum von über 4%, Vollbeschäftigung und Budgetüberschüsse. Gegenüber solch einer Aussicht waren selbst Zyniker verstummt. Jetzt aber sieht alles anders aus. Zeichen für Inflation auf Produktions- wie Arbeitsmarktebene bahnen sich drohend an. Die einzige Frage ist, ob sich die Wirtschaft von selbst schnell bremsen wird, oder ob die Federal Reserve Board mit einem schnellen Zinsen Aufschlag es in den Boden stampfen muß.

War dies alles also nur überschwängliche Euphorie oder wird die „New Economy“ eine Verlangsamung überleben? Die Antwort ist: Diese Art der Wirtschaft wird leben und sich über die ganze Welt ausbreiten. Ja, sie wird auf einer ebenso großen Welle der Verbreitung schwimmen, die in den 1930-ern den Wohlfahrtsstaat und die große Regierung hat so populär werden lassen. Sie wird unsere Wirtschaftsmodelle und unser Leben für Jahrzehnte bestimmen.

Warum? Der Grund liegt darin, dass die „New Economy“ fünf interaktive Antriebsmotoren miteinander verbindet: Technologie, Wettbewerb, und eine für Regierung, die Haushalte sowie den Handel neue Wirtschaftskultur. Dabei nimmt die Technologie die am deutlichsten sichtbare Stelle ein. Die Revolution der Telekommunikation hat sich viel schneller verbreitet als der Telegraph oder das Telefon es zu ihrer Zeit getan haben. Auch der Informationssektor hat sich dramatisch gewandelt. So entwickelt man heute Software-Programme, die die Aufgaben von der Buchhaltung bis zur Kartenbestellung, von Finanzen über Einkaufen bis zu Freizeitangeboten übernehmen und erleichtern. Dieser Teil der Revolution ist noch lange nicht vorbei. In der Tat befinden wir uns erst am Ende des Beginns dieser Revolution. Die enorme Ausweitung der Computer-Fähigkeiten wird uns bald Möglichkeiten offnen, die noch weit entfernt jeder Vorstellung liegen.

Bezüglich der Konkurrenz: Seit früh im vorigen Jahrhundert haben wir nicht ein solch umfangreiches wie weitverbreitetes Wettbewerbsniveau gehabt. Krass angestiegener Wettbewerb wird auch in den Ländern zur Regel, die diesen wie die Pest hassen – nehmen wir Deutschland, Frankreich, Japan und andere. Stimuliert wird dies durch den Welthandel, der durch die Technologie effektiver gemacht wurde, durch schwindende innerstaatliche Handelsbeschränkungen, als auch durch dem Abbau der Wohlfahrtsstaaten. Die Aktieninhaber verlangen ihren Gewinnanteil. Risikokapital ist jedermann zugänglich, nicht nur den Etablierten - und es gibt kein Limit. Von hier ist es nur ein kleiner Schritt um geschützte Märkte aufzubrechen. Die „New Economy“ ist ein „Rattenspiel”, aber jeder, zumindest als Käufer, ist König.