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von Melvyn Krauss

Wen veräppelt der Minister? Maronis nostalgische Sehnsucht nach der Lira ist wenig mehr als eine durchsichtige – und unverantwortliche – Wahlkampflist der italienischen Lega Nord, ein Versuch, die Schuld an den gegenwärtigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Landes dem ehemaligen Kommissionspräsidenten Romano Prodi in die Schuhe zu schieben, der als Mitte-Links-Kandidat in die nächsten Parlamentswahlen gehen wird. Eine Rückkehr zur Lira wäre „ökonomischer Selbstmord“, wie es der Chefvolkswirt der EZB, Otmar Issing, formulierte.

Durch den Euro wurden nämlich italienische Staatsanleihen ebenso viel wert wie deutsche, weil die EZB bereit ist, beide gleichermaßen als Sicherheit für EZB-Darlehen zu akzeptieren. Dies hat zu einer dramatischen Reduktion der Kreditkosten für die italienische Regierung geführt. Hat der italienische Minister eine Minute darüber nachgedacht, wie seine Regierung sämtliche öffentlichen Ausgaben für den Sozialstaat und andere Dinge bestreiten soll, wenn die Zinssätze für Italien nicht mehr von der EZB subventioniert werden?

Vielleicht möchte Maroni zur Lira zurückkehren, damit Italien sie abwerten kann. Das zeigt einen wichtigen Vorteil des Euro für Deutschland, wo sich eine unangebrachte Nostalgie für die Deutsche Mark entwickelt – zweifellos genährt durch die ständigen Schmähungen der gemeinsamen Währung durch Regierungsvertreter. Der Euro hindert Länder wie Frankreich und Italien, ihr altes protektionistisches Spielchen der Währungsabwertung auf Kosten der Deutschen zu spielen.

Aus diesem Grund werden die kompetitiven Vorteile, die Deutschland in letzter Zeit durch seine Wirtschaftsreformen erzielte, durch den Euro vor Abwertungen innerhalb der Eurozone geschützt. Das sind gute Nachrichten. Eine durch den Euro ermöglichte verbesserte Wettbewerbsfähigkeit verheißt Gutes für die mittelfristigen deutschen Wirtschaftsprognosen.