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Dollarsüchtig

FRANKFURT – Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist der Anteil der USA am weltweiten BIP von fast 30% auf etwa 18% zurückgegangen. Andere hochentwickelte Volkswirtschaften verzeichneten ebenfalls nachhaltige Rückgänge ihrer jeweiligen Stücke am globalen Kuchen. Doch am internationalen Währungssystem ist dies nicht erkennbar.

Im selben Zeitraum hat sich der Anteil Chinas am weltweiten BIP beinahe vervierfacht und beträgt jetzt etwa 16% (nur geringfügig weniger als der der USA). Insgesamt entfallen auf die Schwellenmärkte heute etwa 60% der weltweiten Produktionsleistung, gegenüber rund 40% in den unmittelbaren Nachkriegsjahren. Da die Wachstumsaussichten der hochentwickelten Länder weiter trübe bleiben, dürften sich diese Trends fortsetzen – selbst angesichts der erkennbaren Konjunkturverlangsamung in China und anderen Schwellenmärkten.

Und doch spiegelt das globale Finanzsystem diese Verlagerung des Gleichgewichts von den hochentwickelten Ländern zu den Schwellenländern nicht wider. Die Nachkriegsordnung von Bretton Woods institutionalisierte die Rolle des US-Dollars als wichtigste Reservewährung, und bis in die 1970er Jahre waren rund zwei Drittel des globalen BIP mit dem Greenback verankert. Der Rest entfiel überwiegend auf das britische Pfund und den sowjetischen Rubel.

Eine von mir jüngst zusammen mit Ethan Ilzetzki und Kenneth Rogoff erstellte Studie zeigt, dass sich der US-Dollar seine vorherrschende Position als Reservewährung der Welt bewahrt hat – und zwar mit deutlichem Abstand. Über 60% aller Länder (auf die mehr als 70% des globalen BIP entfallen) verwenden den US-Dollar als ihre Ankerwährung. Andere Messgrößen, darunter der Anteil des in Dollar abgerechneten Handels und der Prozentsatz der US-Papiere (insbesondere Schatzanleihen) in den Devisenreserven der Notenbanken legen ein ähnliches Maß an „Dollardominanz“ nahe.